Kongress Pflege 2026

Knabbern am Arztvorbehalt: „Wir müssen die Versorgung auf breitere Schultern legen“

Kompliment für die Politik: Die habe erkannt, dass das Gesundheitswesen „nicht mehr ärztlich dominiert“ sein könne, um Versorgung zu sichern, heißt es beim Kongress „Pflege 2026“ in Berlin. Es wird aber auch Kritik laut.

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„Steine aus dem Weg räumen“: Gesundheits-Staatssekretär Christian Luft zum Auftakt des Kongresses „Pflege 2026“ am Freitag in Berlin.

„Steine aus dem Weg räumen“: Gesundheits-Staatssekretär Christian Luft zum Auftakt des Kongresses „Pflege 2026“ am Freitag in Berlin.

© Marten Ronneburg / kreativmedia-berlin.de

Berlin. Die Pflegeprofession setzt große Hoffnungen in das seit Januar geltende Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege, kurz BEEP genannt.

„Das BEEP öffnet Türen, die in unserem arztdominierten Gesundheitswesen jahrzehntelang verschlossen waren“, sagte Professor Thomas Weiß, Fachanwalt für Arbeitsrecht, anlässlich des Kongresses „Pflege 2026“ und des parallel stattfindenden „Deutschen Pflege-Recht-Tages“: Beide Veranstaltungen sind am Freitag mit rund 1700 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Berlin gestartet.

Vor allem mit dem neuen Paragrafen 15a im Sozialgesetzbuch (SGB) V werde der Arztvorbehalt gelockert, so Weiß. Klargestellt sei nun auch: Die bereits im Pflegeberufegesetz festgelegten absoluten Vorbehaltsaufgaben, also die Verantwortung für den Pflegeprozess, dürften andere Berufsgruppen nicht übernehmen.

„Türen, die jahrzehntelang verschlossen waren“

„Das gilt nun auch eindeutig gegenüber Ärztinnen und Ärzte“, betonte Weiß. Der Kieler Rechtsanwalt ist auch stellvertretender Vorsitzender der Schiedsstelle nach dem Pflegeberufegesetz Schleswig-Holstein.

Die Politik habe erkannt, dass das Gesundheitswesen „nicht mehr ärztlich dominiert“ sein könne, um die Versorgung der Patientinnen und Patienten „zu sichern und zu verbessern“, so Weiß.

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Der Staatssektretär im Bundesgesundheitsministerium (BMG), Christian Luft, erklärte, um steigende Versorgungsbedarfe aufzufangen, müsse jede helfende Hand „klug“ eingesetzt sein. „Wir müssen die Versorgung auf breitere Schultern legen.“

Die Politik wolle die Pflege aber auch von bürokratischer Last befreien. „Wir müssen schauen, dass Ihr Leben einfacher wird, wir müssen Ihnen Steine aus dem Weg räumen“, adressierte Luft an die Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Überregulierung frustiert – und ist gefährlich

Das scheint dringend nötig zu sein. „Noch nie war Pflege so eng geregelt“, stellte aus praktischer Sicht die Koordinatorin Pflegemanagement der Asklepios Kliniken GmbH, Dr. Jenny Wortha, fest. „Das System lässt uns nicht handeln“, sagte Wortha und erhielt dafür breiten Applaus im Publikum.

Dass Pflegekompetenzen hierzulande nicht hinreichend genutzt würden, sei nicht nur frustrierend, sondern auch gefährlich, so die Pflegeexpertin. Professionalisierung der Pflege dürfe nicht als Risiko abgewehrt werden, sondern müsse als eine Chance gesehen werden, die Qualität der Versorgung zu heben. Und darum müsse es am Ende doch gehen.

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Tilmann Müller-Wolff, Professor für Advanced Nursing Practice (ANP) an der University of North Florida, brachte das Selbstbewusstsein, das es in der Pflege brauche, auf den Punkt: „Without nurses medicine is just a concept.“ Grob übersetzt ins Deutsche: Ohne die Gesundheits- und Krankenpflege ist Medizin nur ein Konzept. (gab/hom)

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