Kommentar

Kompetenz zahlt sich aus

Von Wolfgang van den BerghWolfgang van den Bergh Veröffentlicht:

Es klingt paradox: Obwohl die Informationsvielfalt über das Thema Gesundheit stetig zunimmt, korreliert das nicht mit einem Zuwachs an Kompetenz.

Nach einer repräsentativen Umfrage verfügt über die Hälfte der Bevölkerung über eine mangelnde Gesundheitskompetenz. Konkret bedeutet das, dass Menschen nicht oder nur eingeschränkt in der Lage sind, im Alltag angemessene Entscheidungen zu ihrer Gesundheit zu treffen – nicht nur im Krankheitsfall, sondern auch bei der Vermeidung von Krankheiten.

Dabei stellt bereits die gezielte Suche nach Informationen und deren konkrete Anwendung ein Problem dar. Über 60 Prozent tun sich schwer mit Hinweisen zur Gesundheitsförderung.

Unterm Strich kann das teuer zu stehen kommen, etwa dann, wenn aufgrund fehlender Kenntnisse zum Beispiel die Notfallversorgung häufiger als nötig in Anspruch genommen wird, wie dies US-Wissenschaftler in Studien belegt haben.

Der aktuell vorgestellte Nationale Aktionsplan kommt spät, aber nicht zu spät. Vorausgesetzt, die in den letzten Jahren entwickelten Einzel-Initiativen, wie die Allianz für Gesundheitskompetenz werden in den Aktionsplan integriert. Daran hätte man auch schon beim Präventionsgesetz (2015) denken können.

Lesen Sie dazu auch: Wissen richtig nutzen: Aktionsplan soll Gesundheitskompetenz stärken

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In der angeblich repräsentativen und validierten Befragung zur Gesundheitskompetenz ging es schwerpunktmäßig gar nicht um "Gesundheit" sondern um Krankheitserscheinungen und deren medizinische Bewältigung.

"Fragen des HLS-EU Q47 und Zuordnung zu Bereichen
Wie einfach/schwierig ist es….
1. Informationen über Krankheitssymptome, die Sie betreffen, zu finden?
2. Informationen über Therapien für Krankheiten, die Sie betreffen, zu finden?
3. herauszufinden, was im Fall eines medizinischen Notfalls zu tun ist?
4. herauszufinden, wo Sie professionelle Hilfe erhalten, wenn Sie krank sind?
5. zu verstehen, was Ihr Arzt Ihnen sagt?
6. die Packungsbeilagen/Beipackzettel Ihrer Medikamente zu verstehen?
7. zu verstehen, was in einem medizinischen Notfall zu tun ist?
8. die Anweisungen Ihres Arztes oder Apothekers zur Einnahme der verschriebenen Medikamente zu verstehen?
9. zu beurteilen, inwieweit Informationen Ihres Arztes auf Sie zutreffen?
10. Vor- und Nachteile von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu beurteilen?
11. zu beurteilen, wann Sie eine zweite Meinung von einem anderen Arzt einholen sollten?
12. zu beurteilen, ob Informationen über eine Krankheit in den Medien vertrauenswürdig sind?
13. mit Hilfe der Informationen, die Ihnen der Arzt gibt, Entscheidungen bezüglich Ihrer Krankheit zu treffen?
14. den Anweisungen für die Einnahme von Medikamenten zu folgen?
15. im Notfall einen Krankenwagen zu rufen?
16. den Anweisungen Ihres Arztes oder Apothekers zu folgen?
17. Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten bei ungesundem Verhalten, wie Rauchen, wenig Bewegung oder zu hohem Alkoholkonsum, zu finden?
18. Informationen über Unterstützungsmöglichkeiten bei psychischen Problemen, wie Stress oder Depression, zu finden?
19. Informationen über empfohlene Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen zu finden?
20. Informationen darüber zu finden, wie man bestimmte Gesundheitsrisiken vermeiden oder damit umgehen kann, wie Übergewicht, hoher Blutdruck oder hoher Cholesterinspiegel?
21. Gesundheitswarnungen vor Verhaltensweisen wie Rauchen, wenig Bewegung oder übermäßiges Trinken zu verstehen?
22. zu verstehen, warum Sie Impfungen brauchen?
23. zu verstehen, warum Sie Vorsorgeuntersuchungen brauchen?
24. zu beurteilen, wie vertrauenswürdig Gesundheitswarnungen sind, z. B. Warnungen vor Rauchen, wenig Bewegung oder übermäßigem Trinken?
25. zu beurteilen, wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten, um sich untersuchen zu lassen?
26. zu beurteilen, welche Impfungen Sie eventuell brauchen?
27. zu beurteilen, welche Vorsorgeuntersuchungen Sie durchführen lassen sollten?
28. zu beurteilen, ob die Informationen über Gesundheitsrisiken in den Medien vertrauenswürdig sind?
29. zu entscheiden, ob Sie sich gegen Grippe impfen lassen sollten?
30. aufgrund von Ratschlägen von Familie und Freunden zu entscheiden, wie Sie sich vor Krankheiten schützen können?
31. aufgrund von Informationen aus den Medien zu entscheiden, wie Sie sich vor Krankheiten schützen können?" usw. usf.

Bezeichnend ist der semantisch falsche Gebrauch des Risikos, gesund zu werden bzw. zu bleiben: Die unter 20. und 28. subsummierten "Gesundheitsrisiken" meinen das exakte Gegenteil, nämlich Krankheitsrisiken als Risiko, krank zu werden. Unter 21. und 24. anfgeführte "Gesundheitswarnungen" vernebeln vollends die Sinne: Damit können als semantisch-krankheitsverleugnende Nebelkerzen doch nur die Warnungen vor Krankheiten und deren Folgen gemeint sein.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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