Schleswig-Holstein

Landrat stampft Covid-19-Teststation aus dem Boden

Ein Landrat prescht vor und eröffnet eine Abstrichstation in enger Abstimmung mit einer Klinik. Die KV begrüßt das Engagement.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 29.03.2020, 11:18 Uhr
Entschlossenes Handeln in Rendsburg: Um die Dunkelziffer der mit SARS-CoV-2-Infizierten zu erfassen, hat der Kreis in Eigenregie eine Teststation eröffnet. Unter anderem die Imland-Klinik soll bei der Laboranalyse beteiligt sein.

Entschlossenes Handeln in Rendsburg: Um die Dunkelziffer der mit SARS-CoV-2-Infizierten zu erfassen, hat der Kreis in Eigenregie eine Teststation eröffnet. Unter anderem die Imland-Klinik soll bei der Laboranalyse beteiligt sein.

© Carsten Rehder / dpa

Rendsburg. Wegen der landesweit limitierten Testkapazitäten hat der Kreis Rendsburg-Eckernförde in dieser Woche in Eigenregie die Möglichkeit von Abstrichen für Menschen aus der Region geschaffen. Ergebnis: Mehr Tests auf Corona – und die Frage, wie ein Landrat die dafür erforderlichen Ressourcen beschaffen kann.

Fest steht, dass die Initiative von Landrat Rolf-Oliver Schwemer nicht bei jedem im Gesundheitswesen auf Verständnis stößt. Eine Ärztin aus dem Kreis etwa machte ihrem Ärger per Leserbrief in einer regionalen Tageszeitung Luft und warf ihm einen „Alleingang“ vor. Außerdem schrieb sie: „Die von Herrn Schwemer aus unbekannter Quelle im Geheimen beschaffte Schutzkleidung wird dringend in Arztpraxen und Kliniken benötigt. So sieht Solidarität im Kreis Rendsburg-Eckernförde aus.“

KV freut sich über Entlastung

Es gibt aber auch Zustimmung. „Froh über die Entlastung“ durch die Rendsburger Eigeninitiative zeigt sich etwa die KV in Bad Segeberg. Sie hat für Schleswig-Holstein bislang elf Diagnostikzentren aufgebaut, keines davon liegt im großen Flächenkreis Rendsburg-Eckernförde.

Wenn sich ein Bewohner des Kreises testen lassen wollte, musste er in die angrenzenden Städte Kiel, Neumünster, Schleswig oder Itzehoe fahren. Die von der KV betriebene mobile Corona Ambulanz war zwar auch schon in Rendsburg, wird aber landesweit an mehreren Standorten gebraucht. Eine feste Ambulanz in Rendsburg ist bislang nicht geplant.

Ärzte im Ruhestand helfen

In dieser Situation ergriff Landrat Schwemer die Initiative. Auf einem Gelände in der Nähe des Kreishauses entstand ein provisorisches Testzentrum, das Menschen, die einen entsprechenden Termin vom Gesundheitsamt zugeteilt bekommen, ansteuern. Wie in der mobilen Corona Ambulanz der KV bleiben sie im Auto sitzen, während ein Arzt in voller Schutzausrüstung einen Abstrich nimmt.

Eine Mitarbeiterin der Kreisverwaltung verstaut die Proben und schickt sie ins Labor. Pro Schicht setzt der Kreis jeweils einen Arzt und zwei Hilfskräfte ein. Die Ärzte haben sich freiwillig für die Tätigkeit gemeldet und befinden sich im Ruhestand. Die Hilfskräfte sind Mitarbeiter der Kreisverwaltung.

Die verwendete Schutzausrüstung befand sich laut Kreis noch im Bestand. Derzeit werde versucht, „über verschiedene Wege“ weitere Ausrüstung zu besorgen. Die Proben schickt der Kreis an Labore im Kreisgebiet und in Geesthacht. Auf die Ergebnisse wartet man zwei bis drei Tage.

In enger Abstimmung mit Klinik

Eine enge Abstimmung erfolgt zudem mit der ortsansässigen Imland-Klinik, die in Trägerschaft des Kreises ist. Die Klinik hat laut Presseberichten inzwischen ein eigenes Labor eingerichtet, das sie unabhängiger von externen Anbietern macht und schnellere Ergebnisse liefert – laut Presse innerhalb von wenigen Stunden. Eine Stellungnahme dazu war von Klinik am Freitag nicht zu bekommen.

Der Kreis selbst wertet seine Aktion als „vollen Erfolg“. Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen hatte sich von Montag bis Freitag früh um mehr als 100 Prozent – von 41 auf 89 – erhöht. Die Zahl der Patienten in klinischer Behandlung erhöhte sich im gleichen Zeitraum von neun auf 17. „Es scheint zu gelingen, mit den zusätzlichen Tests das Dunkelfeld besser aufzuhellen, was bei der Verfolgung und Bekämpfung der Infektionsketten extrem hilfreich ist.“

Schneller auf Geschehen reagieren

Dank der zusätzlichen Testkapazitäten des Kreises „werden COVID-19-Erkrankte schneller erkannt“, teilte der Kreis mit. Das Gesundheitsamt werde damit in die Lage versetzt, Erkrankte schneller zu isolieren und Kontaktpersonen schneller unter Quarantäne zu setzen.

In Rendsburg rechnet man damit, dass die Zahl der nachgewiesenen Fälle in den kommenden Tag durch die neuen Kapazitäten deutlich steigt. Schwemer erwartet dadurch aber mittelfristig eine Verlangsamung des Infektionsgeschehens und sagt: „Dafür nehme ich die scheinbare statistische Verschlechterung gerne in Kauf.“

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