Wegen Corona

Wie Kliniken in Schleswig-Holstein ihre Intensivkapazitäten konzentrieren

Die Krankenhäuser im Norden ordnen alles dem Kampf gegen COVID-19 unter. Einzelne Kliniken verschieben alle Termine um drei Monate nach hinten.

Von Dirk Schnack Veröffentlicht: 16.03.2020, 14:53 Uhr
Die imland-Klinik in Rendsburg: Ein Beispiel, wie sich die Versorgung in Corona-Zeiten ändert.

Die imland-Klinik in Rendsburg: Ein Beispiel, wie sich die Versorgung in Corona-Zeiten ändert.

© Imland

Kiel. Damit Krankenhäuser ausreichend Intensiv-Kapazitäten für Patienten mit COVID-19 vorhalten können, laufen derzeit mehrere Maßnahmen parallel. Dazu gehört auch ein Erlass der Landesregierung in Schleswig-Holstein, die Urlauber an Nord- und Ostsee am Sonntag zur Rückkehr in ihre Heimat aufgefordert hat. Fahrten auf die Inseln in Nord- und Ostsee sind nur noch für Einheimische erlaubt.

Seit Montag um sechs Uhr morgens sind die Inseln für Urlauber abgeriegelt. Zugleich appellierte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) an Menschen in anderen Bundesländern, Reisen in den Norden derzeit zu unterlassen. Hintergrund war ein am Wochenende zu beobachtender Anstieg von spontanen Kurzurlaubern an den Küsten.

Abriegelung der Inseln zum Schutz der Bewohner

Landesgesundheitsminister Dr. Heiner Garg (FDP) begründete die Beschränkungen mit den begrenzten medizinischen Kapazitäten auf den Inseln. Für eine große Zahl Touristen seien die intensivmedizinischen Kapazitäten auf den Inseln nicht ausgelegt. In der aktuell kritischen Lage müsse die medizinische Versorgung für die Inselbewohner gesichert werden. Auf den Inseln Sylt, Föhr und Fehmarn gibt es nur kleine Krankenhäuser.

Wie ernst die Krankenhäuser im Norden die Situation einschätzen, zeigt eine Äußerung von Dr. Anke Lasserre. Die Ärztin und Geschäftsführerin der imland Kliniken Rendsburg und Eckernförde sagte am Sonntag: „Die gesundheitliche Lage ist ein Jahrhundertereignis.“ Um die allgemeine Notfallversorgung und die Behandlung von an COVID-19 erkrankten Patienten sicherzustellen, werden die beiden imland-Standorte derzeit neu aufgestellt.

Im stationären und ambulanten Bereich werden ausschließlich Notfälle und dringliche Patienten versorgt. Alle Termine von Patienten innerhalb der nächsten drei Monate werden verschoben. Die frei werdenden Kapazitäten im Intensivbereich – Behandlungsplätze und Beatmungsmaschinen – werden für schwerstbetroffene COVID-19-Patienten vorgehalten. Imland bestätigte auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“, dass man die Zahl der Intensivbetten von derzeit 32 verdoppeln wird.

Sicherheitsdienst verstärkt

Für den Klinikbetrieb bedeutet dies u.a.:

  • Die Notaufnahme in Eckernförde wird geschlossen. Chirurgische und ambulante Notfälle werden im chirurgischen MVZ in Eckernförde versorgt.
  • In der Altersmedizin und Geriatrie werden keine geplanten Patienten mehr aufgenommen. Die Abteilung muss die Innere Medizin unterstützen.
  • Die geriatrische und psychiatrische Tagesklinik in Rendsburg hat ihren Betrieb genauso wie die Krankenpflegeschule eingestellt.
  • Die Geburtshilfe wird am Standort Rendsburg zusammengezogen.

Um die an den Krankenhäusern ausgesprochenen Besuchsverbote durchzusetzen, hat das Friedrich-Ebert-Krankenhaus (FEK) in Neumünster seinen Sicherheitsdienst verstärkt. Dieser bewacht das Klinikgelände rund um die Uhr und sorgt vor den Eingängen dafür, dass nur noch die Personen, die im Innern unverzichtbar sind, hinein gelangen – Besucher zählen nicht dazu.

In den vergangenen Tagen hatte es hierzu zahlreiche Diskussionen gegeben. Auf der FEK-Homepage wird appelliert, das medizinische Personal zu dieser Frage nicht von der Arbeit abzuhalten: „Bitte diskutieren Sie nicht mit unseren Mitarbeitern, diese setzen nur die Anordnung um und haben genug um die Ohren, damit die Versorgung der Patientinnen und Patienten sichergestellt werden kann.“

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