Gesundheit 2030

Langfristige Großstudien sollten als nationale Aufgabe gesehen werden

Gesundheit, Pflege, Rente: Langfristige Großstudien können helfen zu verstehen, wie sich die Gesundheit der Bundesbürger entwickelt. Die Leopoldina fordert: Forschung sollte dafür mehr Geld erhalten und transdisziplinär arbeiten.

Veröffentlicht: 07.06.2016, 13:14 Uhr
Mit üppigen Geldspritzen sind die wenigsten Forscher gesegnet. Die Leopoldina fordert, dass Großstudien zur Gesundheit als "nationale Aufgabe" begriffen werden sollen.

Mit üppigen Geldspritzen sind die wenigsten Forscher gesegnet. Die Leopoldina fordert, dass Großstudien zur Gesundheit als "nationale Aufgabe" begriffen werden sollen.

© Butch / fotolia.com

BERLIN. Wie hoch ist der künftige Pflegebedarf, wie wirken sich Bildung und soziale Situation einer Bevölkerungsgruppe auf ihre Lebenserwartung aus? Wer valide Prognosen erstellen will, ist auf bevölkerungsweite Längsschnittstudien angewiesen.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat zusammen mit zwei weiteren Gruppen am Dienstag gefordert, die Förderung solcher aufwändiger Studien als nationale Aufgabe einzustufen. Beispiele für solche langfristigen Großstudien mit Gesundheitsbezug sind die Nationale Kohorte oder die Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg (KORA).

Gegen kurzfristige Planung und Ressourcenmangel der Forschungseinrichtungen

Erkenntnispotenziale dieses Studientyps blieben bisher "unausgeschöpft", heißt es in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme. Die Forschungsförderung sei defizitär und teils widersprüchlich. Es dominierten "kurzfristige Planung und Ad-hoc-Management" von Forschungsträgern, die finanziell und organisatorisch zu schwach ausgestattet sind.

Weiterhin hapert es bei den Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten mit Blick auf Methodenkompetenzen.

Ein Defizit: Zu wenig transdisziplinäre Kooperationen

Ebenfalls zu kurz kommen bisher transdisziplinäre Forschungskooperationen zwischen Biomedizinern und Sozialwissenschaftlern. Entsprechende Ansätze seien "praktisch auf allen Ebenen ungenügend vernetzt und harmonisiert". Die Autoren empfehlen daher unter anderem drei Punkte:

1.) Im Medizinstudium sollten innerhalb der bestehenden Curricula in Epidemiologie und Public Health methodische Kompetenzen in der Datenerhebung und -auswertung vermittelt werden. Angeregt wird, Modellstudiengänge zu fördern, in denen Medizinstudierende eine Zusatzqualifikation in einem für die bevölkerungsweite Gesundheitsforschung relevanten Gebiet erwerben können.

Ärzten sollte nach Abschluss des Studiums der Zugang zu postgradualen berufsbegleitenden Ausbildungsprogrammen wie dem Master of Science in Public Health eröffnet werden.

2.) Die interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Umsetzung von Längsschnittstudien sollte durch die gezielte Ausschreibung biomedizinisch-sozioökonomischer Forschungskooperationen gefördert werden. Ein Beispiel hierfür sei das US-amerikanische National Institute on Aging.

3.) Im Forschungsetat des Bundes sollte ein Posten für Forschungsinfrastrukturen geschaffen werden. Dies würde eine Teilfinanzierung durch den Bund möglich machen.

Ein Problem bei bevölkerungsweiten Längsschnittstudien ist bisher, dass die hohen Anlauf- und Erhebungskosten bisher ausschließlich als Betriebskosten eingestuft werden. Das sei "nicht sachgerecht". Denn durch Aufbau und Betrieb von Längsschnittstudien würden ebenso Arbeitsplätze geschaffen wie bei physikalischen Großgeräten wie Teilchenbeschleunigern oder Forschungsschiffen. (fst)

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