Sars-CoV-2

Lauterbach warnt vor Engpässen

Der SPD-Gesundheitsexperte sieht noch einen weiten Weg bis zum Ende der Coronakrise. Ab zusätzlichen 1000 Intensivpatienten könnte das Gesundheitssystem Probleme bekommen.

Von Anno Fricke Veröffentlicht:

Berlin. Der Epidemiologe und Gesundheitsexperte der SPD-Fraktion, Professor Karl Lauterbach, sieht den eigentlichen Belastungstest für das deutsche Gesundheitssystem durch SARS-CoV-2 erst im Herbst gekommen.

„Ich nehme an, dass wir über die nächsten zwei, drei Monate eine Situation haben werden, die man im epidemiologischen Fachjargon als dynamisch bezeichnen könne“, sagte Lauterbach am Montag vor Journalisten.

Weil die saisonale Abhängigkeit des Virus schwächer ausgeprägt sei als die der normalen Grippe, werde das Geschehen im Sommer weiterlaufen, um dann im Herbst mit viel mehr Wucht zurückzukehren.

Ab 20.000 kann es eng werden

Lauterbach sieht das Gesundheitssystem hierzulande im internationalen Vergleich sehr gut aufgestellt. An die Grenzen werde es stoßen, wenn die Zahl der Infizierten 20.000 erreiche.

Dann könne statistisch gesehen die Zahl der beatmungspflichtigen Covid-19-Patienten etwa 1000 erreichen und überschreiten. Die 28.000 Intensivbetten seien derzeit schon zu 80 Prozent durch die Regelversorgung ausgelastet.

Auch wegen fehlenden Intensivpflegepersonals könne es dann eng werden. Dieses Personal solle nun schleunigst aufgebaut werden. Dazu könne man Fachpflegekräfte für den Einsatz auf Intensivstationen weiterbilden.

Strategie der Entschleunigung richtig

Die Strategie, die Ausbreitung des Virus zu entschleunigen, hält Lauterbach für „absolut richtig“. Die Zahl von 1000 Teilnehmern als Grenze für die Absage einer Veranstaltung sei aber lediglich „gegriffen“.

Eine Veranstaltung mit erwarteten 300 Diabetikern müsse auf jeden Fall eher abgesagt werden, als eine mit erwarteten 800 Judokämpfern. Gegen den weiteren Verlauf der Epidemie solle sich das Gesundheitssystem wappnen durch:

  • eine Bevorratung mit Arzneien, die vorwiegend in China oder Indien hergestellt würden,.
  • Beschaffung und Bevorratung von Schutzkleidung,
  • konsequente Testung in Testzentren, um Arztpraxen und Klinikstationen keiner unnötigen Gefährdung auszusetzen,
  • Beschaffung von Beatmungsgeräten und
  • den Aufbau von intensivmedizinischen Therapieplätzen

Kliniken wehren sich

Lauterbach ging auch auf den Disput zwischen ihm und den Verbänden der Krankenhäuser ein. Er habe nicht unterstellt, dass private Kliniken Corona-Patienten abweisen würden, um lukrativere Patienten zu halten.

Richtig sei seiner Ansicht nach aber seine Forderung, dass sich die privaten Krankenhausträger an der Versorgung voll beteiligen sollten.

Zuvor hatten Vertreter der Deutschen Krankenhausgesellschaft sich gegen die vermeintlichen Vorwürfe des SPD-Politikers verwahrt. Tatsächlich würden alle Krankenhäuser, gleich welcher Trägerschaft, planbare Eingriffe zurückfahren, wenn dies zur Versorgung von Corona-Patienten notwendig sei.

Wie die Spanische Grippe

„Ich glaube schon, dass die Gefahr, die von dieser Coronainfektion ausgeht, einmalig ist, was die letzten Jahrzehnte betrifft“, sagte Lauterbach am Montag. Dieses Virus sei ansteckender als das erste SARS-Virus und auch MERS.

Wahrscheinlich liege die Größenordnung der Ansteckungswahrscheinlichkeit in der der Spanischen Grippe Ende des Ersten Weltkriegs. Damals waren weltweit rund 50 Millionen Menschen gestorben.

Zur Sterblichkeit des aktuellen Infektionsgeschehens gebe es keine guten Daten. Sie hänge wohl davon ab, wie ein Gesundheitssystem auf das Virus reagiere. Sie werde sich seiner Einschätzung nach zwischen 0,5 und 2 Prozent einpendeln. Je mehr Fälle nicht erkannt würden, desto größer scheine die Sterblichkeit zu sein.

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