Berufspolitik

Licht und Schatten in der Gesundheitsbranche

Knapp ein Drittel der Akteure der Gesundheitswirtschaft sieht gegenwärtig eine negative Ertragslage. Und: Die Situation wird sich in Zukunft noch verschlechtern. Das zeigt der in Deutschland erstmals erhobene "Index für die Gesundheitswirtschaft".

Von Uwe Preusker Veröffentlicht:

BERLIN/ESSEN. Die wirtschaftliche Situation der Gesundheitsbranche ist nicht rosig. Das wird aus den Ergebnissen des jetzt in Berlin erstmals vorgestellten "Index für die Gesundheitswirtschaft" deutlich. Der neue Index ist ein Gemeinschaftsprojekt des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen und von Springer Medizin. Die Auswertungen der ersten Index-Erhebung im April zeigen, dass zwar derzeit noch knapp die Hälfte aller Befragten eine positive Ertragslage verzeichnet. Für die nähere Zukunft rechnen jedoch nur noch weniger als 40 Prozent der Akteure mit positiven Erträgen. Gleichzeitig melden 30,1 Prozent bereits heute Verluste. Die Zukunftserwartungen sind nochmals schlechter: Nur knapp 39 Prozent erwarten dafür noch einen Überschuss; 34,3 Prozent dagegen einen Verlust. Ein ausgeglichenes Ergebnis meldet dagegen jeweils rund ein Viertel der Befragten.

Erträge sinken - Nachfrage steigt

Für die Nachfrage-Entwicklung der Gesundheitsbranche zeichnet der Index ein konträres Bild gegenüber der Ertragslage: Gut die Hälfte der befragten Akteure sieht aktuell eine steigende Nachfrage. Für die Zukunft rechnen sogar fast 55 Prozent der Befragten mit einem Nachfrage-Anstieg, darunter mehr als 15 Prozent sogar mit einer starken Zunahme. Mit einer sinkenden Nachfrage rechnen dagegen nur 12 Prozent der Befragten. Rund ein Drittel rechnet aktuell und zukünftig jeweils mit einer gleichbleibenden Nachfrage nach den Gütern und Dienstleistungen der Gesundheitswirtschaft.

Die Entwicklung bei den Preisen und Honoraren ist eher widersprüchlich: Hier nennen gut 53 Prozent der Befragten aktuell einen Anstieg. Das ändert sich auch bei den Zukunftseinschätzungen nicht grundlegend: Hier rechnen gut 55 Prozent mit steigenden Preisen oder Honoraren. Doch es gibt auch Verlierer: 21,1 Prozent geben aktuell sinkende Preise an, und für die Zukunft liegt diese Zahl mit 24,0 Prozent noch .

Index soll wie ein Frühwarnsystem wirken

Der neue Index, der die aktuelle und zukünftige Ertragssituation, Nachfrage- und Preis- sowie Honorarentwicklung aller Akteure der Gesundheitsbranche erfasst, erscheint monatlich als Printmedium in einer Auflage von 7000 Exemplaren. Für den ersten Index wurden in der zweiten April-Hälfte 635 Akteure der Gesundheitswirtschaft befragt - Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Medizintechnikhersteller, Heil- und Hilfsmittelhersteller, Pharmaunternehmen, Kliniken, Reha- und Pflegeeinrichtungen. Zukünftig soll der Index monatlich erhoben werden. Ziel ist es, so ein eigenes wirtschaftliches Frühwarnsystem für diese mittlerweile größte Wirtschaftsbranche der Bundesrepublik Deutschland zu gewinnen.

Der Index kann unter www.springermedizin.de Gesundheitspolitik/Gesundheitswirtschaft heruntergeladen werden.

Ärzte, Kliniken und Industrie erwarten eine wachsende Nachfrage

Index der Gesundheitswirtschaft - April 2010
Ertragslage Hoher
Verlust
Geringer
Verlust
Ausgeglichen Geringer
Überschuss
Hoher
Überschuss
Keine
Antwort
aktuell 12,0 % 18,1 % 22,5 % 38,6 % 8,5 % 0,3 %
erwartet 9,9 % 24,4 % 26,5 % 32,8 % 6,0 % 0,5 %
Nachfrage Stark
fallend
Leicht
fallend
gleich Leicht
steigend
Stark
steigend
Keine
Antwort
aktuell 2,2 % 14,5 % 32,0 % 33,9 % 17,3 % 0,2 %
erwartet 1,3 % 10,4 % 33,1 % 39,2 % 15,4 % 0,6 %
Preise/
Honorare
Stark
fallend
Leicht
fallend
gleich Leicht
steigend
Stark
steigend
Keine
Antwort
aktuell 8,8 % 12,3 % 23,9 % 43,1 % 10,2% 1,6 %
erwartet 7,1 % 16,9 % 22,4 % 44,9 % 8,2 % 0,6 %
Quelle Daten: RWI; © Springer Medizin Springer - Tabelle: Ärzte Zeitung

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