Ist weniger mehr?

MB-Chefin Johna fordert Umbau der Kliniklandschaft

Corona hat die Diskussion um Klinikreformen nicht beendet, meint die Chefin des Marburger Bundes, Dr. Susanne Johna.

Veröffentlicht: 16.08.2020, 12:52 Uhr
Erst den Bedarf klären, dann die Zahl der Klinikstandorte: MB-Chefin Dr. Susanne Johna.

Erst den Bedarf klären, dann die Zahl der Klinikstandorte: MB-Chefin Dr. Susanne Johna.

© Katarina Ivanisevic

Berlin. Die Debatte um eine Reform der stationären Versorgung in Deutschland hat sich aus Sicht des Marburger Bundes mit der Coronavirus-Pandemie nicht erledigt. „Wir brauchen eine Neustrukturierung der Kliniken“, sagte die MB-Vorsitzende Dr. Susanne Johna der Deutschen Presse-Agentur.

„Es ist jetzt vielleicht etwas mehr Verständnis dafür da, dass ein Vorgehen nach dem Motto ‚Weniger ist mehr‘ allein nicht die Lösung ist.“ Eine Neuordnung müsse sich am tatsächlichen Versorgungsbedarf der Menschen orientieren - also etwa an der Altersstruktur und der Bevölkerungsdichte einer Region. „Die erste Frage muss sein, wie ist der regionale Versorgungsbedarf? Und nicht, wie viele Standorte werden benötigt?“, sagte Johna.

Im Sommer vergangenen Jahres hatte eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung für Aufsehen gesorgt – demnach könnte die Versorgung durch die Schließung von mehr als jedem zweiten Krankenhaus erheblich verbessert werden. Die verbleibenden Häuser könnten deutlich mehr Personal und eine bessere Ausstattung erhalten.

Johna betonte, eine Ausweitung von Bettenkapazitäten an wenigen großen Kliniken könne auch problematisch sein – allein schon wegen möglicher Ausfallrisiken. „Wenn sich in so einem Megastandort ein resistenter Keim verbreitet, muss womöglich die ganze Klinik geschlossen werden. Die Aussage ‚größer ist besser‘, ist in dieser einfachen Form nicht haltbar.“

In ländlichen Regionen könnten Krankenhäuser auch zu kombinierten Einheiten aus stationärer und ambulanter Versorgung umgebaut werden. „Denn wo es kein Krankenhaus mehr gibt, auf das sie fürs Röntgen oder für Laborleistungen zurückgreifen können, lassen sich auch Praxisärzte nicht so gerne nieder.“ (dpa)

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