Pro und Contra

Mindestlohn in der Pflege - ja oder nein?

Seit Jahresbeginn gilt ein neuer gesetzlicher Mindestlohn - auch in der Pflege. Die Meinungen darüber sind jedoch verschieden.

Von Jana Kötter Veröffentlicht:
Eine anspruchsvolle Arbeit, die eine faire Bezahlung verdient: Seit Jahresbeginn erhalten Pflegehilfskräfte den neuen Pflegemindestlohn von 9,40 Euro die Stunde.

Eine anspruchsvolle Arbeit, die eine faire Bezahlung verdient: Seit Jahresbeginn erhalten Pflegehilfskräfte den neuen Pflegemindestlohn von 9,40 Euro die Stunde.

© Godfer/Fotolia.com

BERLIN. Die Verhandlungen zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaften dauerten fast sieben Monate.

Das Ergebnis: Der Pflegemindestlohn ist zum 1. Januar auf 9,40 Euro pro Stunde im Westen, auf 8,65 Euro in den neuen Bundesländern gestiegen. In den kommenden Jahren soll er stufenweise angehoben werden.

Wo der Pflegemindestlohn nicht greift, etwa in Privathaushalten oder für Hilfskräfte wie Küchenhilfen in Pflegeeinrichtungen, gilt seither der allgemeine Mindestlohn von 8,50 Euro.

Dass der Mindestlohn für die Pflegebranche bedeutende Veränderungen mit sich bringt, steht bereits heute fest. So könnten die gestiegenen Lohnkosten in vielen Einrichtungen zu höheren Ausgaben für die zu Pflegenden und ihre Angehörigen führen.

Einige fürchten deshalb, dass sich einige Fälle keine professionelle Hilfe mehr leisten können.

"Der gesetzliche Mindestlohn stellt viele Familien vor erhebliche finanzielle Schwierigkeiten", kritisiert Hubertus Pellengah, Geschäftsführer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft.

Anderen hingegen geht der neu eingeführte Pflegemindestlohn noch nicht weit genug.

Denn eine angemessene Bezahlung in der Pflegebranche - die für Fachpflegekräfte über dem Pflegemindestlohn liegt - ist essenziell, um das Image der Branche zu verbessern und Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Karl-Josef Laumann (CDU), Staatssekretär und Pflegebevollmächtiger der Bundesregierung, setzt sich deshalb für "flächendeckend faire Löhne" ein.

"Jemand, der eine so anspruchsvolle Tätigkeit wie die Pflege von Menschen ausübt, muss mehr bekommen als nur den Mindestlohn. Gerade bei den Pflegefachkräften ist das heute schon oftmals der Fall, auch wenn es nach wie vor große regionale Unterschiede beim Verdienst gibt", sagte er der "Ärzte Zeitung".

Verdi zufolge haben 20 Prozent der Pflegeeinrichtungen bislang keinen Tarifvertrag. Die Gewerkschaft setzt sich deshalb für einen allgemein verbindlichen Tarifvertrag in der Pflege ein.

An der Bezahlung in der Pflegebranche scheiden sich also die Geister - endgültig beendet sind die Verhandlungen deswegen vermutlich nicht.

Hier geht es zum Gastbeitrag von Karl-Josef Laumann für den Mindestlohn in der Pflege.

Hier geht es zum Gastbeitrag von Hubertus Pellengahr gegen den Mindestlohn in der Pflege.

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