Berufspolitik

Ministerium und Hausärzte: Tauwetter im Winter

Ministerium und Hausärzteverband sind bemüht, die Wogen zu glätten. Nach dem heftigen Streit im alten Jahr soll nun offenbar ein neues Kapitel in den Beziehungen aufgeschlagen werden.

Von Wolfgang van den Bergh Veröffentlicht: 20.01.2011, 15:07 Uhr
Setzt bei den nächsten Reformen auf die Unterstützung des Hausärzteverbandes: Stefan Kapferer.

Setzt bei den nächsten Reformen auf die Unterstützung des Hausärzteverbandes: Stefan Kapferer.

© BMG

BERLIN. Das Bundesgesundheitsministerium setzt bei den anstehenden Reformen für ein neues Versorgungsgesetz auf die Unterstützung des Hausärzteverbandes.

Zentraler Punkt dabei sei, regionale Fehlsteuerungen zu verhindern, sagte Gesundheits-Staatssekretär Stefan Kapferer beim Neujahrsempfang des Deutschen Hausärzteverbandes in Berlin.

In Anspielung auf die Ereignisse in Nürnberg um den geplatzten Systemausstieg der bayerischen Hausärzte appellierte er an die Verbandsspitze in Berlin, bei aller Zuspitzung "am Ende koalitionsfähig zu bleiben".

Er bekräftigte die Haltung seines Hauses, wonach die hausärztliche Versorgung weiterhin zentraler Baustein für eine flächendeckende Versorgung sei.

Daher müsse die Attraktivität des Hausarztberufs sowohl im Selektiv- als auch im Kollektivvertrag ausgebaut werden, so der Staatssekretär.

Auf die aktuell diskutierten Vorschläge der Unionsfraktion zu diesem Thema ging Kapferer nicht ein.

Er erinnerte die Krankenkassen daran, Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung abzuschließen. Kapferer: "Es bleibt bei der Verpflichtung. Sie muss erfüllt werden."

Wirft den Kassen weiterhin Blockade der Hausarztverträge vor: Ulrich Weigeldt.

Wirft den Kassen weiterhin Blockade der Hausarztverträge vor: Ulrich Weigeldt.

© Deutscher Hausärzteverband

Hier setzte Verbandschef Ulrich Weigeldt seine Kritik an. Der Verpflichtung zum Abschluss von Hausarztverträgen kämen viele Kassen bis heute nicht nach.

Sie setzten mehr auf Blockade als darauf, das System konstruktiv weiterzuentwickeln. Das Verhalten der Kassen enttäusche umso mehr, als dass der Gesetzgeber ihnen in diesem Punkt entgegengekommen sei.

Das operative Geschäft sei geprägt von unzähligen Rechtsstreitigkeiten - und das, obwohl nur sieben Prozent der Gesamtvergütung von den Kassen für die Verträge ausgegeben werden, so Weigeldt.

Er gestand zu, dass die Änderungen bei den Hausarztverträgen "ein Schlag gegen das Knie" gewesen seien. Weigeldt räumte ein, dass man sich von hoch qualifizierten Mitarbeitern habe trennen müssen.

Der Verbandschef gab sich dennoch kämpferisch: "Wir werden mit den Schwierigkeiten fertig." Auf der Grundlage einer "ehrlichen und verlässlichen Politik" sei man bereit, an Lösungen mitzuwirken.

Das gelte insbesondere für den Bereich der Pflege - "eine gute Gelegenheit, das Problem gemeinsam zu lösen".

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