Mit Vernetzung den Mangel bekämpfen

Lange Wartezeiten, späte Diagnosen: Die Versorgung von Patienten mit rheumatoider Arthritis lässt in Deutschland zu wünschen übrig. Die KBV will die Defizite mit einem neuen Versorgungskonzept beseitigen. Teamarbeit von Haus- und Fachärzten wird darin groß geschrieben.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Bis der Spezialist draufschaut, dauert es oft viel zu lange: Ein Rheumatologe berät eine Patientin mit rheumatoider Arthritis.

Bis der Spezialist draufschaut, dauert es oft viel zu lange: Ein Rheumatologe berät eine Patientin mit rheumatoider Arthritis.

© Foto: Wyeth Pharma

BERLIN. Die Zahl der Betroffenen ist klein - gut ein Prozent aller Bundesbürger leidet unter rheumatoider Arthritis. Frauen sind dreimal häufiger betroffen als Männer. Die Liste an Versorgungsproblemen, auf die die Patienten stoßen, ist dagegen groß: Deutschlandweit gibt es viel zu wenige Rheumatologen - Experten, die wissen, was bei dieser chronischen, sehr schmerzhaften Erkrankung zu tun ist. Entsprechend lang sind die Wartezeiten für die betroffenen Patienten. Mitunter dauert es Monate, bis an den Facharzt überwiesen wird.

Nach Ansicht von Experten ist das ein großes Problem: Denn mit einer zeitnahen Überweisung von rheumakranken Patienten an Rheumatologen ließen sich Lebensqualität und Lebenszeit der Betroffenen enorm steigern und hohe Folgekosten der Erkrankung senken.

Vor diesem Hintergrund hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gemeinsam mit dem Bundesverband Deutscher Rheumatologen (BDRh) ein eigenes Versorgungskonzept für Patienten mit rheumatoider Arthritis entwickelt. "Rheumatoide Arthritis haben wir auf die Agenda genommen, weil die bestehende Versorgungsstruktur defizitär ist", sagt KBV-Chef Dr. Andreas Köhler. "Es gibt zu wenige Spezialisten für diese Erkrankung."

Umso wichtiger sei es, mithilfe eines Kooperationskonzepts die an der Versorgung beteiligten Krankenhäuser, die ambulant tätigen Spezialisten und die Hausärzte eng zu vernetzen. "Dabei setzen wir auf die Bildung von spezialisierten Teams und die Etablierung einer qualitätsgesicherten und evidenzbasierten Behandlung, die sich an klaren Qualitätszielen orientiert." Im Klartext heißt dies: Die Versorgung durch Haus- und Fachärzte erfolgt in sogenannten Rheumatoide-Arthritis-Teams. Diese gehen nach zuvor gemeinsam festgelegten Behandlungs- und Medikationspfaden vor. Diese wiederum sind in einer speziellen Vertragssoftware beschrieben und abrufbar.

Erste Krankenkassen finden bereits Gefallen an dem Projekt: So will etwa die Techniker Krankenkasse in den Vertrag mit der KBV einsteigen. Die Verhandlungen laufen.

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Was wird aus den NVL?

ÄZQ wird aufgelöst – Verträge gekündigt

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Allokation von Ressourcen in schwierigen Zeiten

Allgemeinmedizin, das ist „lebenslange Präzisionsmedizin“

Erstmal ohne Kioske, PVZ, Studienplätze

Lauterbach speckt geplantes Versorgungsgesetz massiv ab

Lesetipps
Klinische Daten sind spärlich: EM-Aufnahme von Phagen.

© Matthew Dunne / ScopeM / ETH Zürich

Viele Studien, wenig Evidenz

Phagentherapie – der lange Weg in die klinische Anwendung

Der 130. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin findet vom 13. bis 16. April in Wiesbaden statt.

© Sophie Schüler

Übersichtsseite

DGIM-Kongress: Unsere Beiträge im Überblick