Mobilität im PJ wird zum Zankapfel

Mehr Attraktivität für das Medizinstudium will Daniel Bahr mit der Änderung der Approbationsordnung erreichen. Während die Studenten sich über mehr Mobilität im PJ freuen, kritisieren die Fakultäten diesen Plan scharf.

Von Rebecca Beerheide Veröffentlicht:
Mehr Konzentration für die Arbeit im Praktischen Jahr: Das umstrittene "Hammer-Examen" soll vor das PJ gelegt werden.

Mehr Konzentration für die Arbeit im Praktischen Jahr: Das umstrittene "Hammer-Examen" soll vor das PJ gelegt werden.

© Neudert / mm images / imago

Weg mit dem Hammer-Examen und mehr Mobilität im PJ -  die langjährigen Forderungen der Medizinstudenten hat Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) nun in den Entwurf zur "Ersten Verordnung zur Änderung der Approbationsordnung für Ärzte" aufgenommen. Jüngst hatte das Bundeskabinett den Entwurf gebilligt.

Der Minister will mit der Änderung das Medizinstudium attraktiver machen und Anreize setzen, um mehr junge Menschen für ein Studium zu motivieren und damit das Studium "organisierbarer" machen.

So soll zum Beispiel das umstrittene "Hammerexamen" entzerrt werden. Dadurch sollen sich die Studenten während des Praktischen Jahres (PJ) künftig voll und ganz auf die Tätigkeit in der Klinik konzentrieren könne - die zeitintensive Vorbereitung auf den zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung am Ende des PJ sollen vor die Arbeit in der Klinik gelegt werden.

Eine weitere zentrale Änderung in der Approbationsordnung ist die erweiterte Mobilität während des PJ. Laut dem Entwurf soll es Studenten nun möglich sein, prinzipiell an allen Lehrkrankenhäusern in Deutschland die jeweiligen Terziale absolvieren zu können.

Unhaltbar, findet der MFT

Das würde im Umkehrschluss heißen, dass alle 36 Fakultäten mit deutschlandweit rund 600 Lehrkrankenhäusern Verträge abschließen müssten - ein unhaltbarer Zustand, erklärt der Medizinische Fakultätentag (MFT).

Bisher hatte jede Uniklinik im Schnitt 17 Lehrkrankenhäuser. Der Kritik der Fakultäten schließen sich die Wissenschaftsministerien der Länder an.

"Die Kultusministerkonferenz sieht die Qualität der Mediziner-Ausbildung in Gefahr, weil Krankenhäuser, die möglichst viel Nachwuchs binden wollen, über finanzielle Leistungen PJ-Studierende anwerben werden", heißt es in einer Stellungnahme der Kultusministerkonferenz auf Anfrage der "Ärzte Zeitung".

"Dann entstünde kein Wettbewerb um die Qualität der Ausbildung, sondern über finanzielle Anreize."

Dieses Argument lässt Carolin Fleischmann, Präsidentin der Bundesvertretung der Medizinstudenten (bvmd), nicht gelten: "Die Qualität im PJ ist deutlich entscheidender als finanzielle Anreize. Jeder Student weiß, wie wichtig und entscheidend diese Zeit für die künftige Karriere ist", erklärt Fleischmann im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Offen für Innovationen bleiben

Die Forderung der Studenten, mehr Mobilität während des PJ durchzusetzen, sieht sie in dem Kabinettsentwurf bestätigt.

"Es ist doch absurd, dass es möglich ist, ein PJ-Terzial im Ausland zu machen, aber nicht im benachbarten Bundesland", sagt Fleischmann. Sie kritisiert vor allem die geringe Transparenz vieler Unikliniken bei der Auswahl von Lehrkrankenhäusern.

Der Medizinische Fakultätentag wirbt außerdem dafür, dass die Approbationsordnung weiterhin für Innovationen im Studium und in der Lehre offen bleibt und nicht zu viele neue Restriktionen in Bezug auf die Lehrpläne aufgenommen werden.

Die Verordnung zur Änderung der Approbationsordnung muss nach der Billigung im Kabinett nun in die Abstimmung mit den Ländern. Das Bundesgesundheitsministerium erwartet, dass über die Novellierung in der ersten Bundesratssitzung im kommenden Jahr am 10. Februar abgestimmt wird.

Junge Mediziner: Sorge vor Zwängen und Regressen

Junge Mediziner sind gefragt wie nie, beruflich stehen ihnen sämtliche Türen offen -  doch nach ihren Wünschen und ihren Zukunftsängsten werden sie selten gefragt.

Die Diskussion über eine Landarztquote hat bei vielen Medizinstudenten den Beigeschmack einer zwangsweisen Verpflichtung bekommen, sagt Carolin Fleischmann, die Präsidentin der Bundesvertretung der Medizinstudenten (bvmd). "Das Medizinstudium kann nicht Spielball für die Lösung von Versorgungsproblemen werden", sagt Fleischmann. Der Verband wirbt dafür, keine weiteren "Fächerpflichtmaßnahmen" in die Ausbildung aufzunehmen.

Auch festigt sich immer wieder der Eindruck, sehr viele junge Ärzte wollen lieber in einem Angestelltenverhältnis als in eigener Niederlassung arbeiten. Einer internen Umfrage beim Netzwerk Junge Allgemeinmedizin Deutschlands (JADe) zufolge kann das nicht exakt bestätigt werden.

"Es gibt ein sehr differenziertes Bild: Rund 60 Prozent unserer Mitglieder können sich eine eigene Niederlassung vorstellen, rund 40 Prozent wollen als angestellter Arzt arbeiten", erklärt Dr. Marcus Schmidt. Der 35-jährige Allgemeinmediziner ist Sprecher für internationale Zusammenarbeit der JADe. Unter anderem bereitet laut seiner Aussage vielen jungen Medizinern bei der Niederlassung die Regressgefahr Sorgen. "Ich kenne die Situation in anderen europäischen Ländern gut. Nirgendwo gibt es die Regelung, dass ein Arzt mit seinem privaten Vermögen haftet", so Schmidt.

Der junge Allgemeinmediziner ist derzeit auf der Suche im Rhein-Main-Gebiet, eine Praxis zu übernehmen. Ein Umzug in eine andere Region kommt für ihn nicht in Frage. "Da meine Ehefrau mit ihrem akademischen Beruf an eine Großstadtregion gebunden ist, kann ich nicht aufs Land ziehen."

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