Montgomery wettert gegen Schlechtreden des Arztberufs

Die Ärzteschaft wird von ihrer eigenen Negativ-Propaganda eingeholt, warnt BÄK-Präsident Dr. Frank Ulrich Montgomery. Nachwuchs gewinnt man mit positiven Botschaften. Für den Präsidenten der Bundesärztekammer ist der Norden hierfür Vorreiter.

Dirk SchnackVon Dirk Schnack Veröffentlicht:
Dr. Frank Ulrich Montgomery: "Wir werden von unserer eigenen Propaganda eingeholt"

Dr. Frank Ulrich Montgomery: "Wir werden von unserer eigenen Propaganda eingeholt"

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KIEL. Die Nachkriegsgeneration lebte, um zu arbeiten. Die Generation Golf arbeitete, um zu leben. Die heute in den Beruf startende Generation will beim Arbeiten leben: Auf diese Formel verkürzte Montgomery beim Parlamentarischen Abend der KV Schleswig-Holstein die sich verändernde Lebenseinstellung der Generationen.

Kritik verband der Präsident der Bundesärztekammer mit dieser Beobachtung nicht - keine Generation habe der nächsten ihre Lebenseinstellung vorzuschreiben, so Montgomery in Kiel.

Die wandelnde Einstellung der Menschen zur Arbeit, die Folgen des Arbeitszeitgesetzes und der steigende Anteil von Frauen in der Medizin sind für ihn wesentliche Gründe dafür, dass trotz steigender Arztzahlen heute mehr Ärzte gesucht werden als früher.

Weniger Jahresarbeitszeit heißt, es müssen mehr Köpfe her

Weil Beschäftigte heute rund ein Drittel weniger Jahresarbeitszeit zur Verfügung stellen als in den Aufbau- und Wachstumsjahren der Republik, müssen deutlich mehr Köpfe her. Die bekommt man aber nicht durch Negativberichterstattung, gab Montgomery in Kiel zu bedenken.

Kritik an Missständen hält er zwar für berechtigt, nicht aber ein dauerhaftes Schlechtreden des Berufes. "Wir werden von unserer eigenen Propaganda eingeholt", beschrieb Montgomery die derzeitige Situation.

Statt düstere Perspektiven zu skizzieren, wie es nach seiner Beobachtung manche Berufsverbände tun, hält er positiv besetzte Kampagnen wie die der gastgebenden KV für die Landarzttätigkeit für den richtigen Weg.

"Für Ärzte gibt es keine Zukunftsangst, das ist einer der sichersten Berufe überhaupt", nannte Montgomery einen möglichen Ansatzpunkt für positive Botschaften.

Selbstverwaltung sollte Initiative zeigen

Fest steht führ ihn, dass die Gesundheitspolitiker dieses Problem nicht alleine lösen können. Infrastruktur- und kommunalpolitische Fragen müssten einbezogen werden.

Und statt auf die Politik zu warten oder zu schimpfen, sollte die Selbstverwaltung Eigeninitiative zeigen - auch hier sieht Montgomery die Nord-Kampagne als Vorbild. Nichts Positives kann er dagegen den aktuellen Auseinandersetzungen zwischen den KVen, die sich in verschiedenen Fraktionen über Honorarfragen streiten, abgewinnen.

Montgomery warnte in diesem Zusammenhang vor der Gefahr, sich in innerärztlichen Grabenkämpfen zu verzetteln. Dies sei die "böse Saat" früherer Gesundheitspolitik mit dem Ziel, dass "wir alle übereinander herfallen".

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