Risiko-Reisende

Nach Pflichttest: Montgomery will generelle Quarantäne

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss sich von diesem Samstag an auf Corona testen lassen. Das geht dem Vorsitzenden des Weltärztebundes nicht weit genug.

Veröffentlicht: 07.08.2020, 12:17 Uhr
Weltärztebund-Chef Frank Ulrich Montgomery: Es gilt chaotische Zustände im Gesundheitssystem zu verhindern.

Weltärztebund-Chef Frank Ulrich Montgomery: Es gilt chaotische Zustände im Gesundheitssystem zu verhindern.

© Stephanie Pilick

Passau. Nach der Ankündigung verpflichtender Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten werden Rufe nach schärferen Maßnahmen im Kampf gegen das Virus laut. So fordert der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Mongomery, eine generelle Quarantäne. Tests seien nur „eine Momentaufnahme“.

Deshalb sollten alle Reiserückkehrer aus Risikogebieten in Quarantäne gehen. „Eine Woche bis zehn Tage. Ein negativer Test kann nicht vor der Quarantäne schützen“, sagte Montgomery der „Passauer Neuen Presse“. Um eine Infektion sicher auszuschließen, sei ein zweiter Test nach mindestens 72 Stunden notwendig.

Montgomery sagte, es gelte erneut, chaotische Zustände im Gesundheitssystem zu verhindern. Der Anstieg der Corona-Infektionen sei mit der Rückkehr der Urlauber zu erwarten gewesen. „Wir müssen jetzt sehr viel konsequenter bei Rückkehrern auf die Einhaltung von Quarantäne und Testung achten“, sagte er. „Deutschland ist in einer Corona-Dauerwelle.“

Spahn: Test bei etwa zwei Prozent der Einreisenden positiv

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sagte in der Sendung „ARD extra“ zur Testpflichtverordnung, die verpflichtenden Tests für Reiserückkehrer stellten eine Verbesserung im Vergleich zur bisherigen Lage dar. „Besser geht immer, perfekter geht immer“, sagte der CDU-Politiker. Es gehe aber darum, eine Balance zwischen den Kapazitäten und dem, „was Sicherheit bringt“ zu erreichen.

Derzeit gebe es vermehrt positive Corona-Tests bei Rückkehrern – etwa 2 bis 2,5 Prozent der Einreisenden würden positiv getestet. Vor allem bei der Landeinreise aus Risikogebieten – etwa mit dem Auto – sei vielen Menschen gar nicht bewusst, dass es bereits jetzt eine Verpflichtung zur Quarantäne gibt. (dpa)

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Kommentare
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Carsten Windt

Auch wenn die Zahlen wieder steigen sind solche Forderungen abwegig. Trotz steigenden Infektionszahlen stirbt es sich bei weitem nicht mehr so schnell. Seit 2 Monaten ist z.B. in Hamburg niemand mehr an Covid19 gestorben die Zahl ist stabil bei 231 Toten.

Dr. Manfred Stapff

Wie so viele zu dieser Diskussion beitragenden hat auch Kollege Montgomery wohl das Gespür für die Verhältnismäßigkeit verloren, falls er tatsächlich Quarantäne für alle Rückkehrer (sprich Einreisenden aus Risikogebieten) fordert.
150 von 180 Ländern weltweit gelten durch eine sehr willkürliche und unwissenschaftliche Definition als Risikogebiet. Diese Definition verwendet eine durch keinerlei epidemiologische Studie begründete willkürlich gewählte Zahl (50 pro 100000). Sie berücksichtigt in keiner Weise die Bevölkerungsdichte in der entsprechenden Region und damit die Wahrscheinlichkeit auf eine neu-infizierte ggf. infektiöse Person zu treffen. Damit werden große Flächenländer zusammen mit kleinen Staaten gleichgesetzt, wenn sie eine ähnliche Zahl an Neuinfektionen haben, egal wie die Testdichte und das Meldeverhalten sind. Das individuelle Verhalten der Person vor Ort bleibt ebenfalls unberücksichtigt. Alle Einreisenden unter Generalverdacht zu stellen und eine generelle Quarantäne für alle zu fordern ist bei einer Positivenrate von 2% unverhältnismäßig. Wegen 2 von hundert möglicherweise infizierten müssten 98 unnötigerweise in Quarantäne. Ob nach neuesten Daten 2 Wochen überhaupt ausreichen, ist eine zusätzliche Diskussion.
Dann schon lieber die Grenzen ganz dicht machen und (Ein-) Reisen nur in begründeten Ausnahmefällen genehmigen. Damit würde man sich auch viele Probleme mit Testungen, Honoraren, Formularen und Test-Infrastruktur ersparen.


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