National Health Service

Outsourcing im britischen Gesundheitsdienst auf dem Vormarsch

Britische Ärzte schlagen Alarm: Immer mehr medizinische Dienstleistungen im staatlichen Gesundheitsdienst NHS werden von privaten Anbietern erbracht. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend beschleunigt.

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Im staatlichen britischen National Health Service werden immer mehr Dienstleistungen von privaten Anbietern erbracht.

Im staatlichen britischen National Health Service werden immer mehr Dienstleistungen von privaten Anbietern erbracht.

© Dominic Lipinski/empics/picture alliance

London. Outsourcing von Gesundheitsleistungen ist das Zauberwort britischer Gesundheitspolitiker. Der Trend ist eindeutig: in den vergangenen 15 Jahren hat sich der Anteil privat erbrachter medizinischer Dienstleistungen im staatlichen Gesundheitsdienst (National Health Service, NHS) verzehnfacht. Ärzteverbände schlagen Alarm.

Wie der größte und gesundheitspolitisch einflussreichste Berufsverband von Ärzten im Königreich, British Medical Association (BMA), jetzt in einem neuen Report zum Thema „Outsourcing im NHS“ kritisch feststellte, ist der Trend, Operationen und fachärztliche Behandlungen an Privatanbieter zu vergeben, nicht neu. Die Pandemie freilich wirkte quasi als Brandbeschleuniger, was laut BMA langfristig sogar die Zukunft des NHS gefährden könnte.

Ärztebund sehr besorgt

Wie der Ärztebund jetzt feststellte, erbrachten private Anbieter im Haushaltsjahr 2020/21 bereits rund 5,2 Prozent aller NHS-Leistungen. 2003/04 waren es nur 0,02 Prozent, so die BMA. Besonders im stationären Sektor, wo „seit vielen Jahren viel zu wenig investiert“ werde, werden Privatunternehmen immer wichtiger.

Die BMA geht so weit und stellt fest, in einigen Teilen des staatlichen Gesundheitsdienstes würde die medizinische Versorgung ohne private Anbieter zusammenbrechen. Die Pandemie habe die Versorgungslage noch weiter verschlechtert.

NHS-Wartelisten auf Rekordniveau

„Die NHS-Wartelisten sind auf Rekordniveau und in den nächsten Jahren, wenn der NHS versucht, die durch die COVID-Pandemie entstandenen langen Wartelisten abzuarbeiten, dürfte dies ohne massive Beteiligung privater Anbieter nicht funktionieren“, hieß es in London.

Zwar steht der Ärztebund auf dem Standpunkt, private Unternehmen könnten auch in einem staatlichen Gesundheitssystem wie dem britischen eine Rolle zur Sicherung der Versorgung leisten, aber das Pendel im Königreich sei zu weit in Richtung Privatanbieter ausgeschlagen. (ast)

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