Prävention

Patientenberatung: Weiter viel Ärger ums Krankengeld

Das Thema Krankengeld bleibt für viele Versicherte der zentrale Konflikt mit ihrer Kasse. Das belegt der aktuelle "Monitor Patientenberatung". Patientenbeauftragter Laumann erwartet, dass Kassen verständlicher informieren.

Von Susanne Werner Veröffentlicht:

BERLIN. Rund 94 000 Beratungen hat die Unabhängige Patientenberatung (UPD) im Jahr 2016 verzeichnet. Der fortlaufende Bezug von Krankengeld war mit mehr als 10 000 Gesprächen weiterhin das Topthema der Versicherten. Bereits 2014 hatte die UPD gemeldet, dass es in 6979 Beratungen von rund 80 000 das Thema Krankengeld im Mittelpunkt gestanden hatte. Das Problem hat sich trotz der jüngsten Reformen nicht entschärft. Das Versorgungsstärkungsgesetz vom Juli 2015 sieht vor, dass sich eine Arbeitsunfähigkeit auch dann fortsetzen lässt, wenn der Arzt die Bescheinigung erst am nächsten Werktag ausstellt. Zuvor mussten sich die Krankschreibungen wegen derselben Krankheit um mindestens einen Tag überlappen.

"Die Krankengeldfalle schnappt immer noch zu. 2016 mussten wir 893 Beratungen zu dieser Beratung zählen", sagte UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede bei der Vorstellung des Berichts. Wer schwer krank sei und aufgrund einer Formalität ohne Schutz und Leistungen der Krankenkasse dastehe, verliere schnell das Vertrauen in das Gesundheitssystem. "Vielen Ärzten und Praxismitarbeiter ist es nicht bewusst, dass Bescheinigungen der Arbeitsunfähigkeit nicht rückdatiert werden können, um das Krankengeld weiter beziehen zu können", sagte er. Auch die Krankenkassen müssten "besser, ganz klar und deutlich über die oft existenzbedrohende Konsequenz einer zu späten Rückmeldung" informieren.

Diesem Appell schloss sich Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung, an: "Es kann nicht sein, dass Patienten ihren Krankengeldanspruch nur deshalb verlieren und damit womöglich in massive finanzielle Nöte geraten, weil sie die Leistungsvoraussetzungen nicht kennen." Krankenkassen hätten die Qualität ihrer Informationen zu prüfen und auf eine verständliche Sprache zu achten. Die Ärztekammern wiederum müssten die niedergelassenen Kollegen und Praxismitarbeiter besser zu diesem Thema aufklären.

Weiter kritisiert der UPD-Bericht die aktuelle Praxis der Begutachtung nach Aktenlage durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MdK). Nötig sei, die Aktualität der Daten zu prüfen, das Verfahren transparent zu machen und persönlich mit dem Versicherten in Kontakt zu treten.

Das zweithäufigste Thema in den UPD-Beratungen vom vergangenen Jahr waren mit 4688 Gesprächen Behandlungsfehler. Die ratsuchenden Patienten äußerten sich dabei vor allem enttäuscht über eine "unbefriedigende Kommunikation mit den Ärzten".

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