Informelle Pflege

Pflegearbeitgeber-Chef Greiner: Heim-und-Herd-Politik löst keine Probleme

Laut einer aktuellen Umfrage will nicht einmal die Hälfte der Bundesbürger pflegebedürftige Angehörige selbst versorgen. Der Chef beim Arbeitgeberverband Pflege, Thomas Greiner, warnt die Politik davor, Illusionen aufzusitzen.

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„Hausfrauen-Pflege“ als Modell der 1950er-Jahre: Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege (AGVP).

„Hausfrauen-Pflege“ als Modell der 1950er-Jahre: Thomas Greiner, Präsident des Arbeitgeberverbandes Pflege (AGVP).

© Rolf Schulten

Berlin. Die Politik setzt große Hoffnung auf die informelle Pflege. Eine Umfrage des Meinungsforschungs-Instituts INSA für den Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) zeigt nun aber: Deutschlands größter Pflegedienst bröckelt. Und zwar erheblich.

So kann und möchte nicht einmal die Hälfte (43,7 Prozent) der Bundesbürger pflegebedürftige An- oder Zugehörige selbst versorgen. Jeder Dritte (34,4 Prozent) sieht sich aufgrund eigener Lebensumstände nicht in der Lage, Verwandte zu Hause zu pflegen. Etwa jeder Zehnte (10,7 Prozent) möchte das schlichtweg nicht. Jeder vierte Befragte gibt an, er habe einen nahen Angehörigen mit Pflegebedarf. Befragt wurden mehr als 2000 Bundesbürger.

Zu viele alte Heimatfilme geguckt

AGVP-Präsident Thomas Greiner sagte bei der Vorstellung der Studie am Donnerstag vor Journalisten in Berlin, die Ergebnisse überraschten ihn nicht: Wer sich zuhause um Eltern und Großeltern kümmere, der verdiene zweifelsfrei Respekt und Anerkennung.

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„Aber wir leben nicht mehr in einer Zeit, in der Frauen für Heim, Herd und Pflegebett zuständig waren, während die Männer zur Arbeit gingen“, so Greiner. Die Lösung der Versorgungsprobleme „durch eine Hausfrauen-Pflege ist eine Illusion von Leuten, die zu viele Heimatfilme aus den fünfziger Jahren geschaut haben“.

In Deutschland werden derzeit rund 5,7 Millionen pflegebedürftige Menschen gezählt. Vier von fünf Pflegebedürftigen werden von ihren Ehepartnern, Verwandten oder Freunden versorgt.

„Würde Arbeitsmarkt wertvolle Kräfte entziehen“

Unter anderem Familienministerin Karin Prien (CDU) hatte zuletzt betont, aufgrund der Alterung der Gesellschaft sei es nicht möglich, alle Pflegebedürftigen allein von Fachkräften versorgen zu lassen. Daher brauche es mehr Unterstützung für pflegende Angehörige wie etwa den Einstieg in ein Pflegegeld als Lohnersatz.

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AGVP-Geschäftsführerin Isabell Halletz warnte indes davor, die häusliche Pflege einseitig zu fördern. „Wenn die Bundesregierung weiter auf die Versorgung durch Angehörige setzt, fördert sie vor allem bei Frauen die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie.“

Auch Greiner warf der Politik fehlende Logik vor: Wenn vor allem Frauen zuhause bleiben sollten, um Angehörige zu pflegen, fehlten diese wertvollen Fachkräfte dem Arbeitsmarkt. „Man kann doch nicht jahrelang den Fachkräftemangel beklagen und dann die Fachkräfte lahmlegen mit einer Heim-und-Herd-Pflegepolitik.“ (hom)

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