Bereitschaftsdienst

„Patientenshuttle“ braucht Publicity

In neun Monaten wurde der Transport der Auricher Bereitschaftsdienstpraxis nur 24 Mal geordert Die KV ist ernüchtert – und will die Nutzung erhöhen.

Von Christian Beneker Veröffentlicht: 13.08.2019, 06:42 Uhr
„Patientenshuttle“ braucht Publicity

Kostenloser Fahrdienst per Patientenshuttle. Mit viel Optimismus dabei (v.l.n.r.) Dr. Lukas Bockelmann (Ärztevereins-Vorsitzender), Dr. Volker Niehaus (Vors. d. KVN Bezirksausschusses Aurich), Mark Barjenbruch (KVN Vorstandsvorsitzender), Peter Hilbink, Hans-Hermann Hunfeld (beide Johanniter Unfallhilfe e.V.), Dieter Krott (Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle Aurich)

© KVN

EMDEN. Das hatte sich die KV Niedersachsen anders vorgestellt. Um die Ärzte des Bereitschaftsdienstes zu entlasten, bietet die KV in Ostfriesland den Patienten an Wochenenden und an Feiertagen parallel zu den Öffnungszeiten der Auricher Bereitschaftsdienstpraxis seit einem Jahr einen kostenlosen Hol- und Bring-Dienst an: den „PatientenShuttle“. Die Bilanz ist ernüchternd: In neun Monaten wurde der Transport gerade 24 Mal geordert.

Der Bekanntheitsgrad des kostenlosen Fahrdienstes müsse gesteigert werden, resümierte KVN-Vorstandsvorsitzender Mark Barjenbruch bereits im Juli. „24 Fahrten in neun Monaten entspricht nicht unseren Erwartungen.“

Wie wird der Shuttle-Bus gerufen?

Der Shuttle kann über die 116.117 bei der Johanniter Unfallhilfe in Oldenburg angefordert werden. Die Leitstelle entscheidet zunächst, was der Patient braucht: den persönlichen Arztbesuch oder das Shuttle. Im zweiten Fall holt der Bus die Patienten aus Ortschaften, die Ihlow, Großefehn oder Südbrookmerland heißen.

So nimmt er dem fahrenden Bereitschaftsdienst die langen Anfahrtszeiten von 20 Kilometern und mehr ab und verschafft den Patienten in der Bereitschaftsdienstpraxis mehr Arzt-Zeit. Zudem können Patienten mit schwereren Erkrankungen besser in der Praxis versorgt werden als zu Hause.

Die Evaluation des Projekts durch die Hochschule Emden/Leer ergab: 42 von 51 befragten Patienten in der Bereitschaftsdienstpraxis kannten den Service nicht. Aber von diesen 42 Patienten hätten 35 den Shuttle genutzt, wenn sie ihn gekannt hätten. „Geeignete Marketing-Maßnahmen sollten das Nutzungspotenzial heben“, so Professor Kerstin Kamke von der Hochschule. Das Projekt läuft insgesamt über zwei Jahre und wird in dieser Zeit mit 60.000 Euro aus dem Strukturfonds der KVN finanziert.

Werde erst der Service besser angenommen, schlage man zwei Fliegen mit einer Klappe, so Barjenbruch: „Wir reduzieren die Zahl der diensthabenden Ärzte, da im Fahrdienst kein Arzt mehr mitfährt, und sorgen für eine verstärkte Auslastung der Bereitschaftsdienstpraxis. Das verspricht Effizienzgewinne.“ (cben)

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