Springer Pflege Kongress

Personalmangel in der Pflege gefährdet Patienten

Die Gesundheitspolitik der künftigen Regierung wird einen Schwerpunkt bei Pflege setzen müssen. Davon zeigten sich Fachleute im Vorfeld des Kongress Pflege überzeugt.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 19.01.2018, 05:02 Uhr
Personalmangel in der Pflege gefährdet Patienten

Pflege bleibt ein Dauerthema: Die künftige Regierung wird nachsteuern müssen.

© Robert B. Fishman, ecomedia / dpa

BERLIN. In ihrem Sondierungspapier haben Union und SPD angekündigt, die Personalausstattung in der Pflege und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Dafür sollen 8000 neue Fachkraftstellen in der Behandlungspflege in Heimen geschaffen werden. Auf allen bettenführenden Abteilungen in den Krankenhäusern sollen zudem Personaluntergrenzen eingeführt werden.

Der Pflegenotstand lässt sich auch anders benennen: In den Krankenhäusern gefährde die Überlastung der Pflegedienste manifest die Patientensicherheit, sagte der Pflegewissenschaftler Michael Simon von der Hochschule Hannover. Schwere Komplikationen aufgrund von Pflegepersonalmangel reichten vom Herzstillstand, über Thromboembolie, Sepsis und Dekubitus bis hin zu Medikationsfehlern.

Mehr als 100.000 Pflegestellen fehlten schon heute in den Krankenhäusern, sagte Simon bei der Auftaktpressekonferenz zum Kongress Pflege 2018 von Springer Pflege am Donnerstag in Berlin.

Stelle im Durchschnitt 167 Tage unbesetzt

Auch in der Altenpflege ist Personalsuche ein mühsames Geschäft. Eine Pflegestelle bleibe im Schnitt etwa 167 Tage lang unbesetzt, bis ein Nachfolger gefunden sei, sagte Monika Gaier. Gaier ist Chefredakteurin von "Altenpflege und Aktivieren" des Vincentz Verlags, der beim Kongress Pflege am Freitag und Samstag als Kooperationspartner auftritt.

Unter den Auswirkungen litten die Bewohner in den Heimen. Bei einer Befragung im vergangenen Jahr gaben 86 Prozent der Pflegekräfte an, für die Belange der Bewohner zuwenig Zeit zu haben.

Pflegebedarf auf den Stationen sollte künftig besser digital erfasst werden können, am besten für jede Schicht, forderte Dr. Wulf-Dietrich Leber vom GKV-Spitzenverband. Bedarf schlicht an der Zahl der Betten festzumachen führe in die Irre. Es müsse auch eine Risikoadjustierung anhand der Schweregrade geben, sagte Leber.

Kurz vor der Bundestagswahl hatte die Regierung noch ein Gesetz zu Personalmindestbesetzungen in pflegeintensiven Bereichen der Krankenhäuser verabschiedet. Die werden derzeit vom GKV-Spitzenverband und der Deutschen Krankenhausgesellschaft verhandelt.

Für Pflegepraktiker wachsen dadurch Gefahren heran. Zum Beispiel könnten die Personaluntergrenzen in den Klinikverwaltungen auch als Obergrenzen betrachtet werden, warnte der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands Pflegemanagement Peter Bechtel. Er forderte von der Politik, einen "Masterplan Pflege" aufzulegen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Masterplan Pflege!?

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Mehr als 2 Millionen Patienten der Pflegeversicherung werden ambulant zu Hause von ihren Angehörigen versorgt. Die Angehörigen erhalten genau so viel Pflegegeld wie die 800.000 Pflegebedürftigen, die in Pflegeeinrichtungen von Kapitalgesellschaften versorgt werden, also weniger als die Hälfte pro Pflegebedürftigem. Hier ist das Ausbeutungspotential des Staates bzw der Pflegekassen besonders groß, da es keine Lobby für die Pflegenden gibt. Die einzige Möglichkeit ist die Bundestagswahl, 2 Millionen pflegebedürftige Wählerstimmen + 4 Millionen Angehörige sind 6 Millionen Wählerstimmen – Protestwähler. Ein Ergebnis dieser Protest-Wahl hat sich in der Bundestagswahl-2017 abgebildet. Weiter so, liebe Politiker, die Opposition freut sich.

Kurt Göpel

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Was Pflegemangel bedeutet, sieht man im folgenden Fall: Patientin zeigte nach Hüft-Op massive Hypotonie, die mit Flüssigkeitszufuhr zu bekämpfen versucht wurde. Ursache: Blutverlust intraoperativ,sicher, aber trotz Hypotonie wurde das Antihypertensivum weiter gegeben! Mangelnde Kommunikation infolge Personalmangels!


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