Pflegequalitätsbericht

Pflegequalität teils besser – wachsende Morbiditätslast

Ambulante und stationäre Altenpflege strengen sich an, um die Qualität zu verbessern – teils mit Erfolg. Die Sorge um das Pflegepersonal ist bei den Kassen angekommen, auch weil die Morbiditätslast wächst.

Von Helmut LaschetHelmut Laschet Veröffentlicht:
Pflege im Fokus: Ein Bericht zeigt Verbesserungen und Rückschritte.

Pflege im Fokus: Ein Bericht zeigt Verbesserungen und Rückschritte.

© Marco2811 / stock.adobe.com

BERLIN. Wichtige Parameter zur Pflegequalität haben sich zwischen 2013 und 2016 teils deutlich verbessert, aber es gibt auch weiter Probleme, wie der am Donnerstag in Berlin vorgelegte 5. Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS) zeigt. "Der Bericht bestätigt nicht die in jüngster Zeit häufig zu hörende, durchweg negative Beschreibung der Qualität in Pflegeheimen", so das Fazit von MDS-Geschäftsführer Peter Pick. Es gebe aber Probleme bei der Personalausstattung, und insofern bestätige der Qualitätsbericht den politischen Handlungsbedarf.

Sichtbare Verbesserungen gebe es bei der Erfüllung der Kriterien zur Sturz- und Dekubitusprophylaxe, eine Verschlechterung bei der Behandlung von chronischen Wunden. Der Anteil der Pflegeheimbewohner mit einem gesundheitsrelevanten Gewichtsverlust stieg von 7,6 auf 8,7 Prozent.

5. Pflege- Qualitätsbericht

  • Einbezogen waren 13.304 Pflegeheime und 12.810 ambulante Pflegedienste.
  • Untersucht wurden Kriterien zur Erfüllung der Pflegequalität bei 104.344 Heimbewohnern und 70.538 ambulant Pflegebedürftigen.
  • Aufgrund der Datenmenge gibt der Bericht ein repräsentatives Bild wider.

Positiv wertet der MDS, dass der Anteil der Bewohner, bei denen freiheitseinschränkende Maßnahmen eingesetzt wurden, von 12,5 auf 8,9 Prozent gesunken ist. Das Ziel müsse aber sein, Freiheitseinschränkungen noch weiter zurückzuführen, forderte Pick. Gute Einrichtungen kämen weitgehend ohne diese Eingriffe aus.

Der Bericht zeigt überdies, dass Pflegebedürftigkeit nicht nur ein Mengenphänomen in einer alternden Gesellschaft ist, sondern auch mit wachsender Multimorbidität einhergeht: Der Anteil der Pflegebedürftigen in Heimen, die etwa aufgrund von Demenz in ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt sind, ist zwischen 2013 und 2016 von knapp 64 auf fast 71 Prozent gestiegen.

72 Prozent der Pflegebedürftigen sind sturzgefährdet, fast 78 Prozent müssen mit Inkontinenzprodukten versorgt werden.

Unstrittig aus der Sicht des MDS wie auch des GKV-Spitzenverbandes ist, dass die Altenpflege eine bessere Personalausstattung benötigt und dass erhebliche Anstrengungen in die Ausbildung von Pflegepersonal, aber auch für eine längere Verweildauer im Beruf notwendig sind. Diese beträgt derzeit nur etwa zehn Jahre.

Das Problem bestehe darin, dass es derzeit kein fundiertes System der Personalbemessung für die Pflege gebe, so Gernot Kiefer vom GKV-Spitzenverband. Dies werde gegenwärtig von Pflegewissenschaftlern entwickelt und soll 2020/21 zur Verfügung stehen.

Dabei soll auch ermittelt werden, wie in Abhängigkeit von der Morbidität und dem Ausmaß der Pflegebedürftigkeit das Personal nicht nur mengenmäßig bemessen, sondern auch von seiner Qualifikationsstruktur her zusammengesetzt sein muss. Dies kann je nach Pflegeheim und dem dort existierenden Versorgungsbedarf erheblich variieren.

In den vergangenen zehn Jahren aufgelaufene Probleme könnten nicht mit wenigen einfachen Instrumenten in kurzer Zeit gelöst werden , sagt Kiefer.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Pflegequalität: Nicht nur schlecht reden!

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