Ärztekammern

Physician Assistant als berufliche Perspektive!

Kein Arztersatz, sondern neues Berufsbild: Physician Assistants sind nach Ansicht von Ärztekammern vor allem eines: eine zusätzliche berufliche Perspektive für MFA und Pflegekräfte.

Veröffentlicht: 25.08.2020, 12:46 Uhr

Neu-Isenburg. 2017 befürwortete der Deutsche Ärztetag in Freiburg die Physician Assistants, so lange sie im Rahmen einer ärztlichen Delegation arbeiten. Grundlage für den Beschluss war das Papier „Physician Assistant – Ein neuer Beruf im deutschen Gesundheitswesen“, das die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Bundesärztekammer vorgelegt hatten.

Tatsächlich stimmten die Delegierten den neuen Kollegen an ihrer Seite erst zu, nachdem in der Diskussion klar war: Die Substitution ärztlicher Leistungen durch PA bleibt ausgeschlossen. In Hinblick auf die Ausbildung favorisierte der Ärztetag kein eigenes Studium zum PA als alleinige Berufsqualifikation, sondern ein Aufbaumodell. Ein neuer „Gesundheitsberuf PA“ würde die Versorgung noch weiter zersplittern und unter anderem zu Kommunikationsproblemen führen. MFA, Kranken- oder Altenpfleger dagegen könnten sich durch die Ausbildung zum PA eine zusätzliche akademische Perspektive schaffen, so die Delegierten.

Marion Charlotte Renneberg, stellvertretende Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, erklärt, dass PA kein Ersatz für fehlende Ärzte sein können. „Physician Assistants sind ein neues Berufsbild und kein Arztersatz“, betont sie. Das meint auch Dr. Heidrun Gitter, Präsidentin der Bremer Ärztekammer (ÄKHB) und Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer (BÄK). „Wir lösen ja nicht unser Personalproblem, indem wir immer neue Berufe erfinden“, sagt Gitter der „Ärzte Zeitung“. „Wir sollten uns aber ernsthaft um die Personalentwicklung in Praxen und Krankenhäuser kümmern.“

Weg von verminten Begriffen

So könnten Pflegekräfte oder MFA zu Wundexpertinnen weitergebildet werden. Und weitergebildete OP-Pflegerinnen schätzt Gitter mehr als etwa operationstechnische Assistentinnen (OTA). „Ich halte es für falsch, wenn die Krankenhäuser vor allem auf etwa OTA setzen“, so Gitter. Altgediente OP-Schwestern mit entsprechenden Weiterbildungen steckten tiefer in der Materie und „verstehen, was sie tun“, so Gitter. „Ich vermisse, dass sich hier die Deutschen Krankenhausgesellschaft zum Thema einbringt!“

Die Unterscheidung zwischen Substitution und Delegation ärztlicher Aufgaben indessen hält Gitter für hinderlich. „Wir wollen weg von den verminten Begriffen Delegation und Substitution“, sagt die Kammerpräsidentin. „Besser wäre es, in der Versorgungssituation konkret zu bestimmen, was ärztliche Aufgabe ist und was die eines medizinischen Assistenzberufes.“ So könnten Physiotherapeuten die Behandlung übernehmen, wenn ein Arzt zuvor das Therapieziel festgelegt hat, so Gitter. Zwar könne eine Spezialistin für die Wundversorgung die Wunden behandeln, die Zwischeninspektion sei aber Sache des Arztes.

Gitter: „Es macht keinen Sinn, an der Unterscheidung von Substitution und Delegation festzuhalten. Sondern wir sollten konkret benennen, was geht und was nicht.“ (cben)

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