Ersatzkassen fordern

Portalpraxen sollen Notaufnahmen ordnen

Krankenkassen möchten Portalpraxen an allen 1600 Krankenhäusern – die Deutsche Krankenhausgesellschaft hingegen mehr Geld für die Notfallversorgung.

Anno FrickeVon Anno Fricke Veröffentlicht:
Oft steuern Patienten Ambulanzen an, obwohl diese auch von Allgemeinmedizinern behandelt werden könnten.

Oft steuern Patienten Ambulanzen an, obwohl diese auch von Allgemeinmedizinern behandelt werden könnten.

© bluedesign / Fotolia

BERLIN. Die Vertragsärzte haben den gesetzlichen Auftrag, den ambulanten ärztlichen Notdienst sicherzustellen. Doch den Patienten scheint das gleichgültig zu sein: Immer mehr Menschen wenden sich an die Notaufnahmen der Krankenhäusern - auch mit kleineren Wehwehchen.

2013, so hat jetzt das Göttinger Aqua-Institut ermittelt, hätten von den 25 Millionen Menschen, die in den Notaufnahmen auftauchten, rund 10,7 Millionen auch im ärztlichen Notdienst behandelt werden können.

Handlungsempfehlungen des Aqua-Instituts

Das Aqua-Institut hat für den Verband der Ersatzkassen (vdek) eine Analyse der Notfallversorgung erstellt und daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet. Eine davon lautet, Rettungsleitstellen gemeinsam von KVen und Rettungsdiensten betreiben zu lassen.

Dass die Kven besser über ihre Angebote informieren müssen, ist bereits erkannt: Aus der Ende August vorgestellten Versichertenbefragung der KBV ging hervor, dass nur wenige Befragte die Notfallnummer 116 117 kannten.

"Wir unterstützen den Ansatz von Kooperationen zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und Krankenhäusern", sagte denn auch KBV-Chef Dr. Andreas Gassen am Dienstag

"Immer mehr Patienten steuern im Notfall das Krankenhaus an, auch wenn sie eigentlich ambulant hätten behandelt werden können", sagte vdek-Chefin Ulrike Elsner am Dienstag bei der Vorstellung des Gutachtens.

Nach Auffassung des vdek sollen daher an allen rund 1600 Krankenhäusern mit Notfallversorgung Portalpraxen eingerichtet werden. Über diese zentralen Anlaufstellen sollen die Patienten je nach tatsächlichem Bedarf in die ambulante oder stationäre Versorgung gesteuert werden.

Der Sicherstellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigungen solle auch für das Portalpraxenkonzept gelten, sagte Elsner.

Derzeit rund 600 Notdienstpraxen in Deutschland

Derzeit gibt es nach Angaben von Studienleiter Professor Joachim Szecsenyi rund 600 Notdienstpraxen der Vertragsärzte, die Fahrdienste nicht eingerechnet. Zu 85 Prozent seien die Praxen bereits an Krankenhäusern angesiedelt, sagte Aqua-Chef Szecsenyi.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) verwies auf die strukturelle Unterfinanzierung der Notfallversorgung. Die gesetzlichen Vorgaben an die Selbstverwaltung, bis Ende Dezember hier zu einem neuen Vergütungssystem zu kommen, würden von Vertragsärzten und Krankenkassen ausgebremst.

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Kommentare
Karl-Heinz Grimm 06.09.201615:53 Uhr

Notfallversorgung - Portalpraxen

Für dieses Problem gibt es wohl schon gut funktionierende Lösungen und das seit jahren. Warum muss also immer wieder das Rad neu erfunden werden. In unserer Bereitschaftsdienst Region Hof a.d.Saale besteht in Hof eine Bereitschaftsdienst Praxis - wie in anderen Regionen auch- die am sana - klinikum Hof räumlich angegliedert ist. Ambulante notfallpatienten werden hier angenommen, untersucht, therapiert, Labor ,röntgen etc kann vom Klinikum bezogen werden, wenn der Fall schwieriger ist kann er sofort in der Klinik aufgenommen werden mit allen bereits gelaufenen voruntersuchungen. Keinerlei Probleme mit Abrechnung und zuständigkeiten, keine Überschwemmung der Klinik mit bagatellfällen. Warum also neue Portalpraxen erfinden. Die bereitschaftspraxen werden von der kv Bayern gefördert, Lee am Bereitschaftsdienst teilnehmenden ärzte arbeiten hier. Dazu gebt es einen organisierten fahrdienst für pat. Die nicht in die Praxis kommen können. Alle pat. Im Notfall - versus Bereitschaftsdienst sind versorgt.

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