Krankenkassen

Prostatakrebs: Lieber abwarten?

Krebs an der Prostata: Immer noch kommen viele Männer unter das Messer oder werden bestrahlt - teils mit erheblichen Spätfolgen, wie eine neue Kassenstudie zeigt. Die Autoren empfehlen: Hin und wieder einfach mal abwarten.

Von Sunna Gieseke Veröffentlicht:
Eine urologische Operation: Viele Männer leiden auch ein Jahr später unter den Folgen.

Eine urologische Operation: Viele Männer leiden auch ein Jahr später unter den Folgen.

© Klaus Rose

BERLIN. Nur jeder zweite Mann ist mit dem Ergebnis zufrieden, wenn er in der Klinik wegen eines Prostatakarzinoms behandelt wurde.

41 Prozent sind nur eingeschränkt zufrieden, sieben Prozent unzufrieden. Dabei spielt es keine Rolle, welche Therapieform der Patient erhalten hat.

Das geht aus dem Krankenhausreport hervor, den die Barmer GEK am Dienstag in Berlin vorgestellt hat. Für die Studie wurden die Antworten von knapp 1000 Versicherten ausgewertet.

Im Jahr 2011 gab es rund 83.000 stationär behandelte Patienten. Die Gesamtkosten in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) lagen bei rund 364 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Nach dem Einsetzen eines Hüftgelenkes sind 63 Prozent der Patienten uneingeschränkt zufrieden. Grund für die hohe Unzufriedenheit den Prostata-Patienten sind der Studie zufolge die Spätfolgen nach der Behandlung.

70 Prozent klagen auch ein Jahr später über Erektionsprobleme, 53 Prozent über sexuelles Desinteresse und rund 16 Prozent über Harninkontinenz.

20 Prozent der Befragten litten unter operationsbedingte Komplikationen wie Blutungen oder Darmverletzungen.

Überwachen und Beobachten

Unter allen Behandlungsmethoden im Krankenhaus sei die operative Prostataentfernung mit Abstand am häufigsten - die "radikale Prostatektomie sei in jedem zweiten Fall durchgeführt worden", betonte Studienautorin Professor Eva Maria Bitzer vom Hannoveraner Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung (ISEG).

Allerdings nähmen die gefäß- und nervenerhaltenden Operationen zu, ergänzte Barmer GEK-Vize Rolf Schlenker. 2005 wurden 30 Prozent der erkrankten Männer auf diese Weise operiert.

Aktuell sind es der Studie zufolge bereits 55 Prozent - und zwar über alle Altersgruppen hinweg. Es sei zwar erfreulich, dass der medizinische Fortschritt altersübergreifend in der onkologischen Versorgung ankomme, so Schlenker.

Allerdings sei fraglich, ob die Folgewirkungen eines operativen Eingriffs oder einer Bestrahlung nicht mehr Männern erspart bleiben könnten, so Schlenker.

Studienautorin Bitzer forderte, dass Behandlungsalternativen wie "Aktive Überwachung" und "Langfristiges Beobachten" stärker von den Ärzten propagiert werden sollten.

Aus Sicht des Präsidenten des Berufsverbandes Deutscher Urologen (BDU), Dr. Axel Schroeder, sollte jeder Prostatakrebspatient eine maßgeschneiderte Krebstherapie erhalten.

Kritik am Krebsplangesetz

Für manche Patienten sei es eine starke Belastung, ein Karzinom in sich zu tragen. Für sie seien die abwartenden Therapieformen oftmals auszuschließen.

Die durchschnittliche Verweildauer von Patienten bei Krankenhausbehandlungen nahm laut Krankenhausreport 2011 erneut ab, und zwar von 8,5 auf 8,4 Tage. Bis 1992 lag der Wert bei mehr als 13 Tagen.

Nach wie vor sind bösartige Tumoren nach den Herz-Kreislauferkrankungen die häufigste Todesursache in Deutschland. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will daher die Krebsvorsorge mit dem Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz ausbauen.

Damit soll die Früherkennung bei Darm- und Gebärmutterhalskrebs gestärkt und flächendeckende klinische Krebsregister eingeführt werden.

Der Verband der Ersatzkassen forderte anlässlich einer Expertenanhörung zu dem Gesetzesvorhaben bundesweit vergleichbare Strukturen bei den Krebsregistern.

Kritik gab es auch an der geplanten Finanzierung: Neben der GKV müssten auch PKV und Länder daran beteiligt werden, forderte Schlenker. Aus Sicht des Gesundheitsministeriums handelt es sich um "übliche Detailkritik" im Rahmen eines Gesetzgebungsverfahrens.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Ralf Hettich

Bei einer radikalen Prostataentfernung können Nervenbündel geschädigt werden

Die erektile Dysfunktion gilt als ein Risiko für Männer, die sich aufgrund einer Prostatakrebserkrankung einer radikalen Prostataentfernung unterzogen haben.
Die Operationsmethoden haben sich dahingehend verfeinert, dass die Nervenbündel(Nervi cavernosi), die um die Prostata herum führen, besser erkannt und somit geschont werden können. Über diese Nervenbündel wird die neuronale Freisetzung von Stickoxid in den Schwellkörper vermittelt.
Eine Schonung dieser Nerven ist deshalb für den Erhalt der Potenz sehr wichtig. Sind diese verletzt oder gar durchtrennt, entspannt sich die Schwellkörpermuskulatur nicht mehr und so kann eine Erektion nicht mehr entstehen.

Einen Schönheitsfehler gibt es aber noch: Eine, die Nerven erhaltende Operationstechnik ist nicht immer möglich.

Grundsätzlich geht diese nervenschonende Operationstechnik aber nicht auf Kosten der Radikalität und Tumorfreiheit. Stellt der Operateur während des Eingriffes fest, dass das Prostatakarzinom nicht lokal auf die Prostata begrenzt ist, sondern schon in das umliegende Gewebe oder gar Lymphknoten übergegangen ist, kann er keine Rücksicht mehr auf die Nerven der Prostata nehmen und entfernt alle möglichen vom Tumor betroffenen Bereiche.

Folgen die Operateure der EAU-Guideline (European Association of Urology, 2007), dann wird schon vor der Operation anhand der individuellen Tumorparameter wie Gleason-Score über die Möglichkeiten des Nervenerhaltes entschieden.

Mit den besten Wünschen für eine gesunde Prostata

Dr. Ralf Hettich

mailkontakt: info@ralfhettich.de


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