Versorgungsstärkungsgesetz

Psychotherapeuten-Demo in Berlin: Weiterbildung jetzt finanzieren!

Angehende Psychotherapeuten demonstrieren in Berlin mit berufspolitischen Standesvertretern und Abgeordneten für die noch immer nicht in trockenen Tüchern befindliche Finanzierung der Weiterbildung.

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Vor dem Bundestag demonstrierten angehende Psychotherapeuten und Standesvertreter für die Sicherung der Finanzierung ihrer Weiterbildung.

Vor dem Bundestag demonstrierten angehende Psychotherapeuten und Standesvertreter für die Sicherung der Finanzierung ihrer Weiterbildung.

© DPtV

Berlin. „Psychotherapie-Weiterbildung finanzieren – jetzt!“, forderte am Donnerstag ein breites Bündnis aus Psychotherapie-Studierenden, Kammern, Verbänden, Ausbildungsstätten, Universitäten und weiteren Interessengruppen in Berlin vor dem Deutschen Bundestag.

Wie die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) mitteilt, unterstützten die Abgeordneten Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Bündnis 90/Die Grünen), Dirk Heidenblut (SPD), Nezahat Baradari (SPD), Alexander Föhr (CDU) und Kathrin Vogler (Die Linke) die Demonstration, die von der Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFaKo) organisiert worden sei.

Hintergrund sei die fehlende Finanzierung der psychotherapeutischen Weiterbildung gewesen. Absolventen der neuen Psychotherapie-Studiengänge brauchen die fünfjährige Weiterbildung, um Fachpsychotherapeuten zu werden.

Wie die DPtV bereits im September vorgerechnet hatte, bräuchten Praxisinhaber etwa 2.700 Euro monatlich, um einen Psychotherapeuten in Weiterbildung (PtW) finanzieren zu können.

„Schon jetzt würden mehr als 2.000 Praxen gerne Weiterbildung anbieten. Aber noch keine einzige hat eine*n Psychotherapeuten*in in Weiterbildung eingestellt. Warum nicht? Weil gesetzliche Regelungen fehlen. Wir brauchen eine Änderung der Zulassungsverordnung, damit die Weiterbildungs-Therapieleistungen überhaupt in Praxen erbracht werden können“, forderte die DPTV-Vizecheifn Barbara Lubisch.

Appell an Lauterbach, zu handeln

„Ich bekomme in meiner Klinik Bewerbungen von verzweifelten Studierenden, die nicht wissen, wie sie ihre Weiterbildung beginnen sollen – es gibt einfach keine Weiterbildungsstätten. Unsere Kliniken können keine Weiterbildungsstätte werden, weil die Finanzierung fehlt“, beschrieb Elisabeth Dallüge, Sprecherin der ver.di Bundesfachkommission PP/KJP, in Berlin die Situation im stationären Bereich.

„Die Vorschläge liegen auf dem Tisch, aber uns rennt die Zeit davon: Die ersten Jahrgänge im neuen System sind nun fertig und stehen vor einer ungewissen Zukunft. Schon ab nächstem Jahr werden es bis zu 2.500 Absolvent*innen jährlich sein. Herr Lauterbach, handeln Sie jetzt: Wir brauchen noch diesen Sommer eine Finanzierungsregelung im Gesundheitsversorgungsstärkungs-gesetz (GVSG)“, warnte PsyFaKo-Mitglied Felix Kiunke.

Viele Studierende zögern ihren Abschluss hinaus

„Die Weiterbildung gibt es nicht zum Nulltarif. Mit dem Kabinettsentwurf eines Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetzes (GVSG) hat die Bundesregierung jetzt erstmals das Problem anerkannt: Die Zukunft des psychotherapeutischen Nachwuchses muss gesichert werden. Das ist gut, aber auch überfällig. Doch greift der Gesetzentwurf viel zu kurz“, kritisierte Dr. Andrea Benecke, Präsidentin der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK).

„Viele Studierende verzögern ihre Abschlussprüfung – in der Hoffnung, dass es bald mehr Sicherheit gibt. Durch Gespräche weiß ich, wie psychisch belastet die Studierenden durch diese ungewisse Situation sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass sie auch das Studium Corona-bedingt unter schweren Bedingungen beginnen und durchführen mussten“, gab Professorin Eva-Lotta Brakemeier zu bedenken, Lehrstuhlinhaberin der Klinischen Psychologie und Psychotherapie an der Universität Greifswald. (eb)

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