SARS-CoV-2

RKI relativiert die Todesrate durch das Coronavirus

Die Zahl der mit SARS-CoV-2 infizierten Patienten ist auch in den vergangenen 24 Stunden weiter gestiegen. Das Robert Koch-Institut relativiert aber die Tödlichkeit der Erkrankung.

Veröffentlicht: 28.02.2020, 14:29 Uhr
RKI relativiert die Todesrate durch das Coronavirus

Das RKI mahnt vor Panikmache: Man müsse von einer hohen „Untererfassung“ der Covid-19-Fälle in China ausgehen, so RKI-Vizepräsident Schaade. Geschätzt liege das Sterberisiko daher bei 0,2 bis 0,3 Prozent.

© Paul Zinken / dpa

Berlin. In den vergangenen 24 Stunden sind weltweit weitere 1100 Menschen entdeckt worden, die mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infiziert sind. Diese Zahl nannte der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts Professor Lars Schaade am Vormittag in Berlin. Insgesamt seien damit 83.300 Menschen in nun 52 Ländern als Träger des Virus identifiziert.

In Deutschland sei die Zahl der entdeckten Infektionen um 27 auf 53 gestiegen, berichtete Schaade. Nach wie vor seien die Infektionsketten nachzuvollziehen. „Es ist kein breites Infektionsgeschehen festzustellen“, fasste Schaade seine Risikoeinschätzung zusammen.

Heimquarantäne wirkt

Maßnahmen wie die Heimquarantäne wie in Nordrhein-Westfalen könnten Infektionscluster zum Stillstand bringen. Die Suche nach möglichen Kontakten von bereits angesteckten Personen bleibe daher wichtigste Aufgabe im Kampf gegen das Virus.

Das Coronavirus sei tödlicher als die Grippe: So waren am Vortag Angaben aus dem Robert Koch-Institut interpretiert worden. Schaade wies darauf hin, dass dies nur auf Basis der tatsächlich identifizierten Fälle gelte. Man müsse allerdings von einer hohen „Untererfassung“ ausgehen. Damit sinke die Todesrate.

Vergleichbar mit starker Grippewelle

Es werde geschätzt, dass alleine in China möglicherweise nur fünf Prozent der tatsächlich Infizierten erfasst seien. Von diesen wiederum seien zwei bis drei Prozent gestorben. Gehe man von einer Untererfassung von zehn Prozent aus, sinke die Sterblichkeit auf einen Wert von 0,2 bis 0,3 Prozent der Erkrankten. Das sei vergleichbar mit einer starken oder sehr starken Grippewelle.

Schaade verwies erneut darauf, dass Seife und Wasser mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Händehygiene ausreichten. Es gebe zudem keine Evidenz dafür, dass Gesichtsmasken helfen könnten, das Virus abzuwehren.

Weltärztechef Montgomery mahnt zur Besonnenheit

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Professor Frank Ulrich Montgomery, rechnet frühestens im kommenden Jahr mit einem Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus – warnt aber vor Panik. „In ein paar Jahren werden wir mit einer weiteren grippeartigen Erkrankung leben, die Covid-19 heißt und gegen die wir impfen können. Jetzt gilt es den Übergang zu managen“, sagte Montgomery der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). Die Technik der Impfstoff-Gewinnung und -Zulassung dauere mindestens ein Jahr. „In einem günstigen Fall haben wir nächstes Jahr einen Impfstoff.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe Recht, wenn er sage, dass Deutschland an der Schwelle zur Epidemie sei, sagte Montgomery. Forschungsergebnisse aus Hamburg deuteten aber darauf hin, dass sich das Virus gerade abschwäche. „Richtig ist jetzt, wo immer möglich, den Ausgangspunkt der Infektion zu finden und Quarantäne-Maßnahmen in begrenzten Bereichen durchzuführen. Isolationsstationen in den Kliniken müssen mit Hochdruck geschaffen werden“, sagte Montgomery weiter.

Bei über 80 Prozent nur mit erkältungsähnlichen Symptomen zu rechnen

Abgeriegelte Ortschaften machten nur Sinn, „wenn in Dörfern oder Kleinstädten Verkehrsverbindungen leicht abgegrenzt werden können“, sagte der Chef des Weltärztebundes. „Vor allem müssen wir aber aufhören, Panik zu machen. Das Virus kann bei manchen Menschen zu schweren Erkrankungen führen. Bei über 80 Prozent führt es aber nur zu erkältungsähnlichen Symptomen. Dies ist aber nicht der Weltuntergang.“ (af/dpa)
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Kommentare
Dr. Thomas Georg Schätzler

Statistik für Anfänger
Wenn geschätzt wird, "dass alleine in China möglicherweise nur fünf Prozent der tatsächlich Infizierten erfasst seien. Von diesen wiederum seien zwei bis drei Prozent gestorben", muss dort von einer Untererfassung von 95% ausgegangen werden. Wie hier angegeben: "Gehe man von einer Untererfassung von zehn Prozent aus, sinke die Sterblichkeit auf einen Wert von 0,2 bis 0,3 Prozent der Erkrankten. Das sei vergleichbar mit einer starken oder sehr starken Grippewelle" wären eher unrealistische Zahlen.
Wenn nach Angaben einer chinesischen Akutklinik 29% der Klinik-Mitarbeiter sich selbst beim Kontakt mit zu versorgenden SARS-CoV-2 infizierten Patienten mit dem Coronavirus angesteckt haben, sind m.
E. auch alle abriegelnden Quarantäne-Maßnahmen nicht zielführend. Der fast zeitgleiche Ausbruch in verschiedensten Ländern dieser Erde sprechen für eine nur durch einfache Hygiene-Regeln begrenzbare, aber prinzipiell nicht mehr aufhaltbare Infektionsgefährdung.
Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund ( z.Zt. Nürnberg)

Dr. Heinz Alpers

Panikmache:Montgomery sollte seinen Kollegen im RKI zu Besonnenheit mahnen, der mit seinem Vergleich der höheren Mortalität im Vergleich zu Grippeviren zunächst Ängste schürt und dann seine Aussage relativiert. "Zuerst denken, dann Pressekonferenz geben" macht auch beim Präsidenten vom RKI Sinn.


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