Direkt zum Inhaltsbereich

"Rabattverträge gefährden zentralistische Steuerung"

BERLIN (HL). Rabattverträge in der Regelversorgung der GKV sind nach Auffassung von Wolfgang Kaesbach ein für das GKV-System gefährliches und kontraproduktives Instrument.

Veröffentlicht:

Kaesbach ist der oberste Arzneimittelspezialist der GKV-Spitzenverbände. Seine Abteilung, derzeit noch beim BKK-Bundesverband in Essen, demnächst beim Spitzenverband Bund in Berlin angesiedelt, entscheidet über Festbeträge und Zuzahlungsbefreiungen und damit jedes Jahr über Einsparungen in oft hoher dreistelliger Millionenhöhe. Kaesbachs Entscheidungen werden zentral getroffen und gelten für die gesamte gesetzliche Krankenversicherung.

Gerade diese kollektiven Entscheidungen würden durch die kassenindividuellen Rabattverträge gefährdet, sagte Kaesbach bei einem Symposion des Deutschen Generika-Verbandes in Berlin. Da Rabattvertragspartner die Konditionen nicht offenbaren, entstehe Intransparenz. Die vermeintliche Wirtschaftlichkeit rabattierter Arzneimittel fördere die Mengenentwicklung, "weil Ärzte nun angstfrei verordnen können", sagte Kaesbach. Es sei aber ein Irrtum zu glauben, Richtgrößenprüfungen seien deshalb ausgeschlossen.

Rabattverträge beschädigten zudem kollektive Steuerungsinstrumente. Konkretes Beispiel: der Gemeinsame Bundesausschuss hatte kurzwirksame Insulinanaloga wegen Unwirtschaftlichkeit ausgeschlossen - Kassen und Hersteller schlossen Rabattverträge, so dass die Analoga wieder wirtschaftlich wurden.

Eine weitere Gefahr aus Kaesbachs Sicht: Rabattverträge könnten Kassen zu öffentlichen Auftraggebern oder gar zu Unternehmen machen: Dann müssten sie die Spielregeln des Vergabe- und Wettbewerbsrechts beachten. Kaesbachs Fazit: Rabattverträge taugen nicht für die Regelversorgung, sondern nur für Selektivverträge, etwa in der Integrationsversorgung.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
Mehr als ein oberflächlicher Eingriff: Die Krankenhausreform verändert auch an der Schnittstelle ambulant-stationär eine ganze Menge.

© Tobilander / stock.adobe.com

Folgen der Krankenhausreform für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte

Die Klinikreform bringt Bewegung an der Schnittstelle zwischen Praxen und Krankenhäusern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: der Deutschen Apotheker- und Ärztbank (apoBank)
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Update der S3-Leitlinie

Neue Empfehlung in der Sepsis-Therapie

Lesetipps