Direkt zum Inhaltsbereich

Drogenpolitik

Regierung sieht keine Alternative zu Verboten

Veröffentlicht:

BERLIN. Ohne Verbote und Androhung von Strafen kann die Bevölkerung nicht ausreichend vor Drogen geschützt werden. Mit dieser Generalaussage erteilt die Bundesregierung Forderungen nach einer anderen Drogenpolitik eine Absage.

Die Linksfraktion im Bundestag hat sich zuvor in einer parlamentarischen Anfrage nach "beabsichtigten und unbeabsichtigten Auswirkungen des Betäubungsmittelrechts" erkundigt.

Diese Politik, von der Linksfraktion wiederholt als "Verbotspolitik" bezeichnet, "stärkt den Rechtsstaat" in Deutschland, so die Position der Bundesregierung. Die deutsche Drogenpolitik zeichne sich durch durch einen starken gesundheitspolitischen Ansatz aus.

Darin unterscheide sie sich von Staaten, die das Drogenproblem primär mit polizeilichen oder militärischen Mitteln bekämpfen. Entsprechend seien Entwicklungen im Ausland, wo ein Ende des "Kriegs gegen Drogen" gefordert wird, auf Deutschland kaum übertragbar.

Nach Ansicht der Bundesregierung wirken sich Verbot und Strafandrohungen wie auch die Regelungen im Betäubungsmittelrecht "nicht nachteilig auf den Bereich der therapeutischen Versorgung aus".

Dem Betäubungsmittelgesetz wie der Btm-Verschreibungsverordnung misst die Regierung eine "generalpräventive Wirkung" zu. Gerade mit Blick auf Jugendliche und junge Erwachsene bleibe es nicht bei der Sanktionsandrohung.

Vielmehr gebe es viele auf diese Gruppe zugeschnittene Aufklärungs- und Präventionsmaßnahmen sowie Hilfsangebote.

Hilfe statt Strafe

Nach Ansicht der Regierung setzt das deutsche Betäubungsmittelrecht "wichtige und fortschrittliche Ansätze einer modernen Drogenpolitik um".

Dies gelte beispielsweise für die Einrichtung von Drogenkonsumräumen, die ärztliche Substitutionsbehandlung, das Prinzip Hilfe statt Strafe sowie das Prinzip Therapie statt Strafe.

Im Juni hatten Grüne und Linksfraktion vergeblich eine ergebnisoffene Evaluation der Drogenpolitik in Deutschland angeregt. Dabei beriefen sie sich unter anderem auf 122 Strafrechtler, die eine solche Evaluation gefordert haben.

Der grüne Abgeordnete und Arzt Harald Terpe verwies im Juni im Bundestag darauf, das Betäubungsmittelgesetz habe "das große Versprechen, die Jugend vor den Gefahren des Drogenkonsums zu schützen", nicht eingelöst.

"Weder Drogenerwerb noch Handel noch Verbreitung von Drogen sind verhindert worden", so damals Terpe. Zehn Millionen Euro würden im Bundeshaushalt für die Aufklärung über den Konsum legaler und illegaler Drogen bereitgestellt. 3,3 Milliarden Euro würden in Deutschland für die Strafverfolgung ausgegeben, argumentierte Terpe.

Angaben über die gesellschaftlichen Kosten der "Verbotspolitik" (etwa Kosten der Strafverfolgung, Inhaftierung von Gefangenen) konnte die Regierung auf Anfrage der Linksfraktion nicht machen - dafür sei die Fragestellung zu undifferenziert gewesen, hieß es. (fst)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Zi-Statistik

Antibiotikaverordnungen: Rückgang um 11,5 Prozent

Mai-Sitzung des CHMP

EMA-Experten empfehlen vier Pharma-Innovationen zur europaweiten Zulassung

Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Tab. 1: Stufentherapieschema zur verlaufsmodifizierenden Therapie der generalisierten Myasthenia gravis

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Generalisierte Myasthenia gravis

Krankheitssymptome und Therapielast wirksam lindern

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Dr_Microbe / stock.adobe.com

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Fünf Jahre orale Therapie mit Risdiplam

Breite Anwendbarkeit bei 5q-assoziierter SMA

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Lesetipps
Eine Roboterhand zeigt auf ein Stethoskop

© Slowlifetrader / stock.adobe.com / mit KI generiert

Künstliche Intelligenz

ChatGPT im Praxisalltag nutzen: Wieso diese Verlockung gefährlich ist

Ein Mann tippt etwas auf einem Laptop.

© tippapatt / stock.adobe.com

Erfahrungen eines Hausarztes

40 Prozent Home-Office für Ärzte: Wie das funktionieren kann

Eine Frau mit Rhinitis putzt sich ihre laufende Nase.

© onephoto / stock.adobe.com

Ob allergisch oder nicht

Rhinitis ist signifikant mit Migräne verbunden