Direkt zum Inhaltsbereich

Krankenkassen

Regierung verteidigt Rabattverträge, Linke sind kritisch

Befördern Rabattverträge der Krankenkassen Lieferengpässe bei Medikamenten? Die Linke im Bundestag behauptet dies – die Regierung widerspricht.

Florian StaeckVon Florian Staeck Veröffentlicht:
Kein Nachschub in Sicht? Die Linke im Bundestag sieht Rabattverträge der Kassen als eine Ursache dafür. Die Regierung teilt diese Analyse nicht.

Kein Nachschub in Sicht? Die Linke im Bundestag sieht Rabattverträge der Kassen als eine Ursache dafür. Die Regierung teilt diese Analyse nicht.

© Iren Moroz / stock.adobe.com

Berlin. Die Bundesregierung hält Rabattverträge der Krankenkasse nicht für eine spezifische Ursache von Lieferengpässen bei Medikamenten. Sie tritt damit Vorwürfen der Fraktion der Linken im Bundestag entgegen.

Lieferprobleme hätten im globalen Arzneimittelmarkt ganz unterschiedliche Ursachen. Ein Gutachten für den GKV-Spitzenverband im Februar 2020 habe aufgezeigt, dass diese Engpässe weltweit zunähmen, und zwar unabhängig von der nationalen Ausgestaltung der Gesundheitssysteme.

Die Linken-Gesundheitspolitikerin Sylvia Gabelmann verwies in einer schriftlichen Anfrage auf Zahlen des Verbands ProGenerika, wonach bei 17 Wirkstoffen ein einziger Hersteller die Produktion für alle gesetzlich Versicherten verantwortet. So seien beispielsweise bei dem Antiemetikum Metoclopramid 99,4 Prozent der gesetzlich Versicherten abhängig von einem einzigen Hersteller.

„Gefährliche Marktverengung“?

„Sollte dieser Hersteller ausfallen, kann kein anderer Hersteller kurzfristig die Produktion eines Ausweich-Präparates hochkurbeln“, kritisiert Gabelmann. Bei 104 weiteren Wirkstoffen sei ein Hersteller für die Versorgung von mehr als der Hälfte der GKV-Versicherten verantwortlich. Gabelmann wertet diese Konstellation als „gefährliche Marktverengung“.

BMG-Staatssekretär Dr. Thomas Gebhart widerspricht in seiner Antwort. Statt einer „Marktverengung“ spricht er von einem „intakten Anbieterwettbewerb“ und verweist dafür auf fünf bis neun generische Anbieter auf dem deutschen Markt – hinzu kämen teilweise noch Reimporteure. Die Regierung betont zudem, dass im Vorjahr 70 Prozent der Rabattverträge als Zwei- oder Drei-Partner-Modell oder aber als Open-House-Vertrag aufgelegt worden seien.

Rabatt-Vorschriften mehrfach nachgeschärft

Gabelmann hält den Verweis auf die Zahl der potenziellen Hersteller generischer Wirkstoffe für eine „Nebelkerze“ der Regierung und bewertet Rabattverträge als eine der Ursachen für Liefer- und Versorgungsprobleme, die „hier in Deutschland wirksam bekämpft werden könnten“.

Das Ministerium dagegen betont, dass die Regelungen für Rabattverträge jüngst mehrfach nachgeschärft worden seien. Im Gesetz zur Stärkung der Arzneimittelversorgung (GSAV) wurde im August 2019 ein Passus in den Paragrafen 130a SGB V aufgenommen, wonach Kassen nicht nur die Vielfalt der Anbieter, sondern auch die Gewährleistung einer unterbrechungsfreien Lieferfähigkeit beim Vertragsschluss berücksichtigen müssen. Und im März 2020 wurden im Faire-Kassenwettbewerb-Gesetz (FKG) Apotheken zum Austausch nicht verfügbarer Rabatt-Arzneimittel berechtigt.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

© quantic69 | iStock

Politische Perspektive

Nationale Politik an Europas Gesundheitszielen ausrichten

Anzeige | CSL Behring GmbH
Der Gesundheitsdialog

© Janssen-Cilag GmbH

J&J Open House

Der Gesundheitsdialog

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

© Springer Medizin

Johnson & Johnson Open House-Veranstaltung am 26. Juni 2025 beim Hauptstadtkongress

Impulse für den medizinischen Fortschritt: Welches Mindset braucht Deutschland?

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
J&J Open House beim Hauptstadtkongress

© [M] Springer Medizin Verlag

Video zur Veranstaltung

J&J Open House beim Hauptstadtkongress

Kooperation | In Kooperation mit: Johnson & Johnson Innovative Medicine (Janssen-Cilag GmbH)
Kommentare
Dr. Josef Siebig 10.08.202122:19 Uhr

Was stimmt, ist offen, weil die Rabattverträge das Transparenzgebot missachten. Offene Frage: Herrscht da wirklich Wettbewerb oder werden Absprachen begünstigt?

Sonderberichte zum Thema

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Arzneiforschung: Von Innovationen profitieren nicht nur Patienten, sondern immer auch die Gesellschaft als Ganzes.

© HockleyMedia24 / peopleimages.com / stock.adobe.com

Nutzenbewertung

Arznei-Innovationen: Investition mit doppeltem Nutzen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa)
AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

© Springer Medizin Verlag GmbH

AMNOG-Verfahren: Plädoyer für ein Update

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Pharma AG, Grenzach-Wyhlen
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Primäre und sekundäre Formen

Immundefekte erkennen: So klappt’s in der Praxis

Lesetipps
Seltene Erkrankungen haben ihren Namen nicht umsonst. Zählt man sie jedoch alle zusammen, so sind es etwa 8.000 Erkrankungen mit rund 4 Millionen Betroffenen in Deutschland.

© Orawan / stock.adobe.com

Oft langer Weg bis zur Diagnose

Wie Sie Patienten mit seltenen Erkrankungen früher erkennen

Eine Frau sitzt im bett und hustet.

© Sonja Monstein / stock.adobe.com

Fehlerhaftes Immunsystem

So unterscheiden sich primäre und sekundäre Immundefekte