Rentenversicherung

Reha sprengt erstmals das Budget

Bei den Baby-Boomern nehmen nicht nur die Zipperlein zu. Immer mehr Versicherte müssen zur medizinischen Rehabilitation. Doch das Budget wächst nicht im gleichen Maß.

Von Florian Staeck Veröffentlicht: 24.07.2013, 07:46 Uhr
Reha sprengt erstmals das Budget

Immer mehr Arbeitnehmer stellen Anträge auf Rehabilitation, teilt die Deutsche Rentenversicherung mit.

© Kzenon / Fotolia.com

BERLIN. Fast 2,1 Millionen Arbeitnehmer haben im vergangenen Jahr einen Antrag auf Rehabilitation gestellt. Das geht aus neuen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervor. Seit 2005 ist die Zahl der Antragsteller um 28 Prozent gestiegen.

Rund 1,1 Millionen mal ist im vergangenen Jahr eine medizinische Reha schließlich genehmigt worden. In zusätzlich rund 270.000 Fällen konnten Versicherte an einer sogenannten Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben teilnehmen.

Dabei geht es um behinderte Menschen, deren Erwerbsfähigkeit erhalten oder verbessert werden soll. Und der Bedarf an Reha-Leistungen wird weiter steigen, weil die geburtenstarken Baby-Boomer-Jahrgänge in ein Alter kommen, wo Reha häufiger nötig wird.

Zusätzlich nimmt mit dem schrittweisen Einstieg in die Rente mit 67 auch die Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer zu, berichtet Andreas Feuser von der Deutschen Rentenversicherung Bund - der Reha-Bedarf steigt abermals.

Was dagegen nur marginal zulegt, ist das gesetzliche Reha-Budget. Der Budget-Deckel wird nur in dem Maße gelüftet, wie die Bruttolöhne und -gehälter in einem Jahr steigen. Die Erhöhung betrug im vergangenen Jahr 138 Millionen Euro im Vergleich zu 2011, das entspricht einem Plus von 2,5 Prozent.

Eine demografische Komponente, die den steigenden Reha-Bedarf der alternden Belegschaften berücksichtigen würde, ist nicht vorgesehen.

Entsprechende Vorschläge der Opposition, die das Reha-Budget kurzfristig hätten steigen lassen, hat die schwarz-gelbe Koalition abgelehnt. Zugleich hat die Bundesregierung für ihr Rentenpaket, das ebenfalls ein Lüften des Reha-Deckels vorsah, im Bundesrat keine Mehrheiten gefunden.

Kontraproduktiver Deckel?

Bereits im vergangenen Jahr ist keine Luft im Reha-Budget mehr gewesen. Die Obergrenze von 5,666 Milliarden Euro ist 2012 erstmals um zwölf Millionen Euro überschritten worden.

Die Mehrausgaben, berichtet Andreas Feuser von der DRV, gehen zulasten des Budgets im laufenden Jahr - womit das Problem verschoben wird.

Seinen Angaben zufolge ist der Reha-Deckel volkswirtschaftlich kontraproduktiv: Denn mehr als 85 Prozent der Reha-Teilnehmer blieben nach dem Ende der Maßnahme erwerbstätig und zahlten Rentenversicherungsbeiträge.

Trotz oftmals schwerer Erkrankungen würden nur neun Prozent der Versicherten in den zwei Jahren nach der Reha vorzeitig in Rente gehen.Feuser verweist auf eine Studie der Prognos AG, wonach für jeden Euro, der in Rehabilitation investiert wird, die Gesellschaft fünf Euro zurückerhält.

Bei den Diagnosegruppen, die auslösend für eine Reha sind, hat es zwischen 2005 und 2012 deutliche Verschiebungen gegeben.

Zwar sind Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems sowohl bei Männern (34,5 Prozent) als auch bei Frauen (35,5 Prozent) die wichtigste Diagnosegruppe geblieben.Allerdings haben sich bei beiden Geschlechtern psychische Störungen als zweithäufigste Diagnose etabliert.

Bei Frauen waren 2012 psychische Erkrankungen in 22,3 Prozent der Fälle auslösend für eine Reha (2005: 18,7 Prozent). Bei Männern galt dies in 18 Prozent der bewilligten Reha-Maßnahmen (2005: 15,6 Prozent).

Neubildungen sind bei Männern und Frauen - anders als noch 2005 - nunmehr die dritthäufigste Diagnosegruppe.

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