Berufspolitik

San Marino - Vorbild bei der Integrierten Versorgung

Deutschland ist kein Vorreiter bei der Integrierten Versorgung - ganz im Gegensatz zu San Marino. Der Zwergstaat ist in Europa Vorbild, sagen Fachleute. Großen Aufholbedarf hat Großbritannien.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 20.12.2011, 05:00 Uhr
San Marino - Vorbild bei der Integrierten Versorgung

Monte Titano - Das Wahrzeichen von San Marino.

© Alexander Tolstykh / shutterstock.com

BERLIN. Deutschland ist kein Vorreiter bei der Integrierten Versorgung (IV). "Das gerade verabschiedete Versorgungsstrukturgesetz sagt nichts zur Integrierten Versorgung", bedauerte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Integrierte Versorgung im Gesundheitswesen (DGIV), Professor Stefan G. Spitzer, bei einer Veranstaltung in Berlin.

Die erhoffte Wiederbelebung der Anschubfinanzierung sei ausgeblieben, so Spitzer bei einer DGIV-Veranstaltung.

San Marino - fortschrittlichste Region

Andere Länder sind da schon weiter. Zum Beispiel San Marino. San Marino ist für Europa das, was das Kinzigtal im Schwarzwald für Deutschland ist: Nämlich die in punkto Integrierte Versorgung fortschrittlichste Region.

Am anderen Ende rangiert Großbritannien, wo unter Integrierter Versorgung in erster Linie die Verzahnung von National Health Service und "Essen auf Rädern" verstanden werde.

Während der Zwergstaat am Osthang des Appennin seinen 30  000 Bewohnern ein praktisch komplett integriertes Gesundheits- und Sozialsystem anbiete, litten in Deutschland vor allem Patienten mit einem komplexen Versorgungsbedarf immer noch an der Fragmentierung der Versorgung, beschrieb der Gesundheitssystemforscher Professor Reinhard Busse von der Technischen Universität Berlin einen wesentlichen Unterschied zwischen San Marino und dem Rest der Welt.

Ambulanter Sektor organisiert in Großpraxen

In fast allen Ländern der Europäischen Union sei die Integrierte Versorgung ein Thema, sagte Busse. Grob ließen sich drei Systeme ausmachen. Großbritannien, Spanien und die Skandinavischen Länder hätten die fachärztliche Versorgung in Kliniken zusammengeführt.

Der ambulante Sektor sei in Großpraxen organisiert. Italien und die Niederlande hätten die fachärztliche Versorgung ebenfalls in Kliniken angesiedelt. Daneben gebe es hausärztliche Einzelpraxen und hausärztliche MVZ.

In Deutschland, Belgien und Frankreich seien stationärer und ambulanter Sektor weitgehend getrennt, Fachärzte gebe es in beiden Sektoren.Was genau unter Integrierter Versorgung verstanden werde, sei in den Ländern der EU verschieden, erklärte Busse.

Verzahnung von Sozialen Diensten - mit allen Leistungserbringern

Das Spektrum reiche von Großbritannien, wo darunter vor allem die Verzahnung von National Health Service und Sozialen Diensten wie zum Beispiel "Essen auf Rädern" gemeint sei, bis zu San Marino, wo alle Leistungserbringer für das System arbeiteten.

Dazwischen gebe es Varianten wie die Zusammenarbeit von Leistungserbringern bei einzelnen Krankheitsbildern oder die Verbindung von Prävention und Kuration. Künftig dürften auch telemedizinische Leistungen in der IV eine Rolle spielen, sagte Busse.

Wie die in die Versorgung eingebaut werden könnten, lasse sich beim Kriegsveteranenservice der Vereinigten Staaten ablesen. Dort hätten die Ärzte via elektronischer Akten stets Zugriff auf alle Patientendaten, gleichgültig bei welcher Filiale des Service ein ehemaliger Soldat auftauche, um sich behandeln zu lassen.

In Europa gehe der Trend dahin, die Finanzierung der Integrierten Versorgung an das Erreichen von Versorgungszielen zu knüpfen, berichtete Busse. Eine Vergütung nach Leistung fördere automatisch die Zusammenarbeit der Leistungserbringer.

Eine andere Finanzierungsvariante setze die Anreize so, dass die an der Integrierten Versorgung beteiligten Ärzte das eingesparte Geld ganz oder teilweise behalten dürften, so Busse.

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