Patientensteuerung

Sanktionen und Wahltarif für GKV-Patienten?

Werden Fachärzte von Kassenpatienten zu oft und vor allem unnötig in Anspruch genommen? KBV-Chef Gassen meint ja.

Veröffentlicht: 08.09.2019, 17:00 Uhr

BERLIN. Für seinen Vorstoß, gegen die Flatrate-Mentalität vieler Kassenpatienten mit einem Wahltarif vorzugehen, erntet KBV-Chef Dr. Andreas Gassen nur bedingt Zustimmung.

In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstagsausgabe) sagte er: „Es kann dauerhaft kaum jedem Patienten sanktionsfrei gestattet bleiben, jeden Arzt jeder Fachrichtung beliebig oft aufzusuchen.“ Und auch die Denke „erst zu Ikea, dann in die Notfallambulanz“ stört den KBV-Chef. Wer sich verpflichte, sich auf einen koordinierenden Arzt zu beschränken, solle daher von einem günstigeren Kassentarif profitieren, so Gassens Vorschlag. Die PKV biete bereits entsprechende „Selektivverträge“ an.

Der Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz, entgegnete: „Sollen hier durch die Hintertür Strafzahlungen für kranke Menschen vorbereitet werden, die sich hilfesuchend an die vermeintlich falsche Stelle wenden?“ Dies sei „keine gute Idee“. Der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) mahnt indes eine Patientensteuerung mit Bedacht an. „Populistische Schnellschüsse bringen uns nicht weiter“, sagte der 2. BDI-Vizepräsident Dr. Ivo Grebe der „Ärzte Zeitung“. Dabei hält Grebe Sanktionen für wenig zielführend.

Vorstellbar seien aber Bonussysteme für Patienten, die Facharzttermine via hausärztlicher Überweisung wahrnehmen. Aber: „Die grundsätzliche Abschaffung der freien Arztwahl unterstützen wir nicht“, stellte Grebe klar.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz warf Gassen Verunsicherung vor. „Wie im Tollhaus geht es bei den hauptamtlichen Ärztefunktionären zu“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Deutschen Presse-Agentur. „Jetzt soll das Recht eingeschränkt werden, seinen Arzt frei zu wählen.“

Die KBV fühlt sich indes falsch verstanden: Es gehe darum, begrenzte Ressourcen optimal zu nutzen und damit die Versorgung für alle zu sichern, erklärt die Körperschaft auf Nachfrage der „Ärzte Zeitung“. Dafür will die KBV Wahloptionen für „mündige Patienten“ schaffen. „Wir wollen nicht bestrafen, sondern verantwortungsvolles Handeln belohnen“, heißt es.

Neu ist der Vorstoß aus den Reihen der KBV dabei nicht, GKV-Wahltarife für eine bessere Patientensteuerung hatte die KBV schon im Jahr 2017 mit ihrem Konzept „KBV 2020“ ins Gespräch gebracht. (reh/vdb/dpa)

Wir haben diesen Beitrag aktualisiert am 9.9.2019 um 13.30 h

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Wer soll im System steuern?

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