Berufspolitik

Schiedsspruch - Bittere Pille für Bayerns Hausärzte

Der neue AOK-Vertrag mit den bayerischen Hausärzten steht. Doch für die Ärzte bringt er Einschnitte: eine geringer Grundpauschale als früher und eine Neueinschreibung aller Patienten. Der ehemalige Verbandschef Hoppenthaller spricht von "Schikane".

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Geis: HzV lohnt sich weiter.

Geis: HzV lohnt sich weiter.

© BHÄV

MÜNCHEN (sto). Als einen wichtigen Baustein "für unsere hausärztliche Vertrags- und Tarifautonomie" hat der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV), Dr. Dieter Geis, den Schiedsspruch zum AOK-Hausarztvertrag bewertet.

Zugleich bedauerte Geis, dass es nicht möglich gewesen sei, mit der AOK Bayern auf dem Verhandlungsweg eine Einigung zu erzielen. Die AOK müsse ihre Rolle als Vertragspartner "ernsthaft annehmen" und die Umsetzung mit den Hausärzten konstruktiv angehen, so Geis.

In der Auseinandersetzung zwischen dem BHÄV und der AOK Bayern um einen neuen Vertrag zur hausarztzentrierten Versorgung (HzV) hatte der Vorsitzende des Schiedsamtes Dr. Klaus Engelmann am Montagnachmittag nach sechsmonatigen Verhandlungen seine Entscheidung bekannt gegeben.

Demnach wird sich der neue Vertrag in seiner Honorarstruktur an den mit den BKKen verhandelten HzV-Vertrag anlehnen. Dies sein wichtiger Beitrag zur Vereinheitlichung der Hausarztverträge, betonte Geis.

Der AOK-Hausarztvertrag, der zum 1. April in Kraft tritt, enthält eine kontaktabhängige Grundpauschale von einheitlich 40 Euro. Hausbesuche und Prävention werden als Einzelleistung honoriert.

Hoppenthaller vermutet Schikane

Die Betreuung von chronisch Kranken sowie alten Menschen und Palliativpatienten soll gestärkt werden. Leider sehe der Schiedsspruch auch eine Neueinschreibung der Versicherten vor, bedauerte Geis.

Das hatte die AOK gefordert und zeitweise sogar verlangt, dass sich die Versicherten künftig in den Geschäftsstellen der AOK in den Hausarztvertrag einschreiben sollten.

Der BHÄV habe dieser Forderung vehement widersprochen, müsse die Entscheidung jedoch akzeptieren. Um eine finanzielle Überforderung der AOK Bayern zu vermeiden, sieht der Schiedsspruch eine Budgetregelung mit einer deutlich niedrigeren Fallwertobergrenze als im alten Vertrag vor.

Ungeachtet dessen lohne es sich aus versorgungs- und honorarpolitischen Gründen nach wie vor als Hausarzt an der hausarztzentrierten Versorgung teilzunehmen, erklärte Geis.

Mit einer Reihe von Veranstaltungen werde der BHÄV im März bayernweit seine Mitglieder detailliert informieren und schulen.

Der frühere Vorsitzende des BHÄV, Dr. Wolfgang Hoppenthaller, der die Hausarztverträge mit der TK und den BKKen kritisch kommentiert hatte, erklärte, er könne den AOK-Hausarztvertrag erst dann beurteilen, wenn er die Details gesehen habe.

Die notwendige Neueinschreibung der Versicherten bezeichnete er als "die reine Schikane der AOK". Der bürokratische Aufwand in den Praxen werde dadurch enorm zunehmen, kritisierte Hoppenthaller.

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