Verständlicher Arztbrief

Schluss mit dem Fach-Chinesisch

Ein Arztbrief kann für medizinische Laien wie Fach-Chinesisch klingen. Die Paracelsus-Klinik in Bad Ems geht deswegen neue Wege - und "übersetzt" die Patienteninformation in verständliche Worte.

Von Christian Beneker Veröffentlicht: 16.02.2016, 05:46 Uhr
Schluss mit dem Fach-Chinesisch

Versteht der Patient seine Erkrankung, klappt die Kommunikation oft besser.

© Alexander Raths/fotolia.com

OSNABRÜCK/DRESDEN/BAD EMS. Die Hausärzte der Patienten aus der Paracelsus-Klinik Bad Ems dürften sich seit einiger Zeit über ihre Patienten wundern. Denn seit November erhalten sie vom Klinikum einen in verständlicher Sprache übersetzten Arztbrief nach Hause geschickt.

Der Patientenbrief ist ein Gemeinschaftsprojekt der "Was hab‘ ich?" gGmbH aus Dresden und den Paracelsus-Kliniken. "Nun können Patienten viel besser mit ihrem Hausarzt über die Erkrankung kommunizieren", sagt Ansgar Jonietz, Geschäftsführer von "Was hab ich?".

Das Klinikum und "Was hab ich?" hätten damit ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt initiiert, so das Klinikum: "Jeder Patient der Inneren Abteilung in der Klinik aus Bad Ems bekommt den vorläufigen Arztbrief, der nach dem stationären Aufenthalt an den weiterbehandelnden niedergelassenen Arzt geht, als übersetzten Patientenbrief nach Hause geschickt. Die Arztbriefe übersetzen Mitarbeiter von "Was hab‘ ich?", von dort wird der Brief zu den Patienten nach Hause versandt."

Grundlage für Gesundheitskompetenz

Dr. Manfred Georg Krukemeyer, Vorsitzender der Gesellschafterversammlung bei den Paracelsus-Kliniken, sagt: "Der mündige Patient muss seine Erkrankung verstehen, um sich gemeinsam mit dem Arzt für eine bestimmte Therapie entscheiden zu können. Als Grundlage für seine Gesundheitskompetenz benötigt er individuelle und leicht verständliche Gesundheitsinformationen."

Seit dem Projektstart im November 2015 haben das Klinikum und "Was hab ich" rund 150 Patienten der Inneren Abteilung des Hauses mit Übersetzungen der medizinischen Fachsprache versorgt. Dass der Bedarf sehr viel größer ist, daran lässt Jonietz keinen Zweifel.

Die ehrenamtlich arbeitende Gruppe aus Medizinstudierenden und Ärzten von "Was hab ich" zählt in ihrer täglichen Arbeit jede Woche 150 Anfragen, seit ihrer Gründung rund 26.000. Und der Bedarf ist noch viel größer, sagt Jonietz. Das dürfte auch für Krankenhauspatienten gelten.

Datenschutz stellte Hürde dar

Das Feedback der Patienten, die sich an "was hab ich?" wandten, ist offenbar überwältigend groß. "In unserer Evaluation haben 85 Prozent der Patienten angegeben, die Übersetzung habe ihnen Mut gemacht, der eigenen Krankheit mit Entschlossenheit entgegenzutreten." Entsprechendes hoffen die Initiatoren nun auch für das Projekt in Bad Ems.

Ob das Projekt ausgeweitet werden kann, wird die laufende Evaluation zeigen. Einfach sei es jedenfalls nicht gewesen, die Idee in die Tat umzusetzen. "So sind die Datenschutzbestimmungen von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich", sagt Paracelsus-Sprecherin Simone Hoffmann. "Für unser Projekt brauchten wir dann auch eine Genehmigung des rheinland-pfälzischen Sozialministeriums."

Ob der Informationshunger der Patienten durch die nun verständlichen Entlassbriefe gestillt oder erst richtig geweckt wurde, wird ebenfalls abzuwarten sein. "Wir wollen jedenfalls kein Ersatz für das Arztgespräch sein", sagt Jonietz."

Nähere Informationen zum Projekt "Was hab ich" unter: https://washabich.de/

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