Schmidt fordert Industrie zu Preisstopp auf

Auf der Suche nach Einsparpotenzialen in der Arzneimittelversorgung setzt die Bundesgesundheitsministerin auf einen Mix kurz- und langfristiger Maßnahmen.

Von Bülent Erdogan Veröffentlicht:
Wie viele Hürden müssen Arzneimittelhersteller in Deutschland künftig nehmen?

Wie viele Hürden müssen Arzneimittelhersteller in Deutschland künftig nehmen?

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Berlin. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat die Pharma-Industrie "anlässlich einer dramatischen Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" zu einem Preismoratorium aufgefordert. Sie würde es begrüßen, wenn die Hersteller dem Vorbild von GlaxoSmithKline folgten, sagte sie am Dienstag bei der Vorstellung des dritten Berichts der sogenannten Task Force "Pharma" in Berlin. Das Unternehmen hatte kürzlich angekündigt, die Preise in diesem Jahr nicht zu erhöhen (wir berichteten).

Die Ministerin betonte, dass die Hersteller in Deutschland gute Rahmenbedingungen vorfänden. So kämen Innovationen nach der Zulassung sofort auf den Markt und würden auch zu 100 Prozent bezahlt. Im Gegenzug forderte sie ein Entgegenkommen der Industrie. Es sei nicht zu akzeptieren, dass Hersteller in Deutschland mehr Geld für ihre Präparate erhielten als in vergleichbaren Ländern, in denen diese Präparate von der Erstattung ausgeschlossen seien. "Wir werden die Debatte um faire Preise führen müssen", mahnte Schmidt eine europaweite Preisfindung an.

Die Ministerin forderte zudem erneut einen zügigen Einstieg in die Kosten-Nutzen-Bewertung (KNB) und das Zweitmeinungsverfahren in der Therapie mit besonders teuren Medikamenten oder solchen mit hohem Risikopotenzial. Die KNB sei fair und stelle für die Pharma-Industrie keine "vierte Hürde" dar. "Ich kann nur an alle appellieren, jetzt mit den Kosten-Nutzen-Bewertungen anzufangen. Wenn man das nicht macht, steht sicherlich irgendwann am Ende die vierte Hürde", so Schmidt. Anderenfalls seien die Kosten für die Arzneimittelversorgung nämlich künftig nicht mehr bezahlbar.

Als großes Zukunftsfeld bezeichnete Schmidt die individualisierte Arzneimitteltherapie, vor allem in der Onkologie. Notwendig sei dabei aber auch eine bessere Vernetzung der Akteure und die Bildung von Zentren, um Innovationen allen Patienten zugänglich machen zu können, forderte Schmidt. Für bessere Qualität könne es dann auch mehr Honorar geben, so die Ministerin weiter.

Der Chef des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Dr. Bernd Wegener, begrüßte die Vorstellung des Pharmaberichts. Mit ihm werde sowohl im Bereich der individualisierten Arzneitherapie als auch beim Tissue Engineering nicht nur der Ist-Zustand beschrieben, sondern Verantwortlichkeiten zugewiesen. Allerdings hapere es noch an der Umsetzung von Therapieansätzen in marktfähige Produkte. Wegener appellierte daher an die Politiker, ihre Anstrengungen in diesem Bereich zu verstetigen.

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