Hilfe bei Blutkrebs

Schneller zur Transplantation bei Leukämie dank Kryo-Stammzell-Bank

Die DKMS hat ein Register potenzieller Blutstammzellspender, deren Gewebemerkmale typisiert sind, und zwei Entnahmezentren. Oft gibt es mehr Material als im jeweiligen Fall nötig - und nun gesichert.

Veröffentlicht:
Rebekka Bernhard, Laborantin in der DKMS Stammzellbank, demonstriert die Lagerung von Blutstammzellen in einem Kryo-Tank mit Stickstoff.

Rebekka Bernhard, Laborantin in der DKMS Stammzellbank, demonstriert die Lagerung von Blutstammzellen in einem Kryo-Tank mit Stickstoff.

© Robert Michael / dpa / picture alliance

Dresden. Mithilfe der Kryokonservierung kann die DKMS an ihrem Standort Dresden seit November 2023 überschüssige gespendete adulte Stammzellen lagern und weltweit für eine Transplantation bei Blutkrebs zur Verfügung stellen.

Aus der neuen Stem Cell Bank könnten Transplantationszentren und Sucheinheiten über das DKMS Registry und die Datenbank des Zentralen Knochenmarkspender-Registers Deutschland (ZKRD) passende Blutstammzellen suchen und anfordern, wie die gemeinnützige Organisation am Donnerstag in Dresden mitteilte.

Von der Anfrage nach dem Material bis zu dessen Transport in die Klinik dauert es demnach nur wenige Tage. Damit sei eine Transplantation deutlich schneller als bisher möglich.

Elke Neujahr, Global CEO der DKMS Group gGmbH, sprach von einem „weiteren wichtigen Meilenstein in unserer lebensrettenden Mission“. Damit erhöhe sich die Überlebenschance an Blutkrebs Erkrankter in 60 Ländern, die sehr schnell transplantiert werden müssten, maßgeblich. Die Stammzellbank füllt sich seit November 2023, in den Kryotanks in Dresden sind den Angaben nach derzeit etwa 70 Präparate verfügbar.

Suche wird erheblich verkürzt

Mit kryokonservierten Stammzellen liegen laut DKMS nur drei Tage zwischen erster Anfrage und Transport in die Klinik – bisher dauere der Prozess der Spendersuche bis zur Transplantation mehrere Wochen. Ein weiterer Vorteil: Sie können ohne die Präsenz der Spender vorgehalten werden und sind sofort verfügbar.

Dieser Ansatz sei weltweit einzigartig, sehr unkompliziert und ethisch einwandfrei, sagte der ärztliche Leiter der DKMS Stem Cell Bank, Dr. Alexander Platz. Ursprünglich als Nabelschnurblutbank gegründet, verfüge sie über langjährige Erfahrung und umfassende Expertise in der Kryokonservierung.

Wie Platz berichtete, mobilisieren viele Spender deutlich mehr Stammzellen als eine erkrankte Person tatsächlich benötigt. Mit deren Einverständnis würden die übrigen bei minus 180 Grad Celsius in der Gasphase über flüssigem Stickstoff gelagert. So könnten mit einer einzigen Spende zwei Leben gerettet werden.

Laut DKMS erhält weltweit alle 27 Sekunden ein Mensch die Diagnose Blutkrebs, in Deutschland alle zwölf Minuten. Für viele der Leukämiekranken, die eine Stammzelltransplantation benötigen, sei die Suche nach dem genetischen Zwilling „ein Wettlauf gegen die Zeit“.

Nur etwa ein Drittel werde innerhalb der Familie fündig, die Mehrheit sei auf andere Menschen angewiesen, wobei spezielle Gewebemerkmale bestmöglich übereinstimmen müssen. Je früher es ein Match gebe und die Spende ankomme, „desto besser sind die Überlebens- und langfristigen Heilungschancen“. (dpa)

Mehr zum Thema

Strenge Regelungen

Blick über den Tellerrand: Japan ist konservativ beim Impfen

Referentenentwurf

„Gesundes-Herz-Gesetz“: Die Statin-Gießkanne für Deutschland?

Das könnte Sie auch interessieren
Wie patientenzentriert ist unser Gesundheitssystem?

© Janssen-Cilag GmbH

Video

Wie patientenzentriert ist unser Gesundheitssystem?

Kooperation | In Kooperation mit: Janssen-Cilag GmbH
Höhen- oder Sturzflug?

© oatawa / stock.adobe.com

Zukunft Gesundheitswesen

Höhen- oder Sturzflug?

Kooperation | In Kooperation mit: Janssen-Cilag GmbH
Patientenzentrierte Versorgung dank ePA & Co?

© MQ-Illustrations / stock.adobe.com

Digitalisierung

Patientenzentrierte Versorgung dank ePA & Co?

Kooperation | In Kooperation mit: Janssen-Cilag GmbH
Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Kinetose

Mango, Musik, Medikamente – was gegen Reisekrankheit hilft

Interview

Gerlach: „Es gibt keinen allgemeinen Ärztemangel und keine generelle Überalterung“

Lesetipps
Die Ursache der Appendizitis des jungen Mannes war offenbar eine Aktinomykose, ausgelöst durch Actinomyces israelii, ein gram-positives anaerobes Bakterium, das als Kommensale in der Mundhöhle und auch im Gastrointestinaltrakt vorkommt.

© Dr_Microbe / stock.adobe.com

Untypisches Krankheitsbild

Kasuistik: Hinter dieser Appendizitis steckte ein Bakterium

Die Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie war in einer aktuellen Studie die häufigste Pilzerkrankung bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen.

© Dr_Microbe / Stock.adobe.com

Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie

Pilzsepsis gibt es auch bei Rheuma