Krisenhilfe

Schutz der Helfer wird immer wichtiger

Beim World Health Summit plädieren Experten dafür, bei der Krisenhilfe die G7- und G20-Staaten stärker einzubinden. Fehle es an finanziellen und strukturellen Mitteln, könnten auch die besten medizinischen Kenntnisse nicht helfen.

Von Jonas Tauber Veröffentlicht:

Damit internationale Nothilfe nach einer Epidemie oder einer Naturkatastrophe funktioniert, ist ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen den Helfern und den Menschen vor Ort entscheidend. Darin waren sich mehrere Referenten beim World Health Summit (WHS) einig, der von Sonntag bis Dienstag in Berlin stattfand. "Es gibt offensichtlich ein Spannungsverhältnis zwischen dem nationalen Gesundheitssystem und der internationalen Hilfe", sagte Margaret Bourdeaux von der Harvard Medical School. Deshalb sei es bei allen Unterstützungsanstrengungen wichtig, die zentrale Bedeutung der Souveränität und des Gesundheitssystems des betroffenen Landes zu betonen, erläuterte Bourdeaux bei einem Workshop zum Thema Gesundheit und Sicherheit.

Militär häufig überfordert

Sie berichtete, dass sich Ärzte aus dem Harvard-Netzwerk inzwischen immer mehr für den Sicherheitsaspekt bei der Krisenhilfe interessieren. Schließlich spiele die Sicherheit bei der Krisenreaktion eine entscheidende Rolle. "Das gilt etwa für die Ebola-Krise in Westafrika, als die Gesundheitsbehörden nicht fähig waren, zu reagieren", sagte sie. Fehlt es an den finanziellen und strukturellen Mitteln, könnten auch die besten medizinischen Kenntnisse nichts helfen.

Die Ebola-Epidemie hatte sich 2014 in Westafrika verbreitet und über 11 000 Tote gefordert. Die Katastrophe ist einer der Gründe, warum die G7- und G20-Staaten das Thema Gesundheit in diesem Jahr auf ihre Tagesordnungen gesetzt haben. Daran knüpften die Veranstalter des WHS an. 2000 Teilnehmer aus hundert Ländern waren aufgerufen, über eine Verbesserung der globalen Gesundheit zu diskutieren. Im Fokus standen Themen wie neue Impfstoffe, Digitalisierung und Big Data oder Gesundheitssicherheit.

Ein Vertreter der französischen Armee sagte zur Sicherheitssituation in Konfliktgebieten, dass das Militär häufig damit überfordert sei, die Sicherheit von Hilfskräften zu garantieren. Meist habe man es nicht mit Kriegen herkömmlicher Art zu tun. "Wir reden über Kriege, die keine Kriege sind, bei denen staatliche Autorität komplett fehlen mag", sagte Generalinspekteur Patrick Godart. "Wir alle sind potenzielle Ziele. Der Unterschied ist, dass Nichtregierungsorganisationen häufig als erste vor Ort sind." Entscheidend sei deshalb eine gute Vorbereitung vor einem Einsatz.

Reiche Staaten in der Pflicht

Bei der französischen Armee gibt es nach Angaben von Godart eine lange Tradition, Ärzte ins Ausland zur Bekämpfung ansteckender Krankheiten zu senden, insbesondere nach Afrika. Ähnlich wie Bourdeaux betonte er die Bedeutung eines vertrauensvollen Umgangs mit den Menschen vor Ort, damit ein solcher Einsatz erfolgreich sein kann. Außerdem warnte er davor, Entwicklungsländer in einer Krisensituation mit teuren, aber überflüssigen Geschenken zu beglücken. "Ich habe immer wieder gesehen, dass teure Geräte an Staaten verschenkt wurden, die nicht einmal die für die Nutzung nötige Elektrizität hatten", sagte er.

Georg Schütte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung plädierte für eine internationale Gesundheitspolitik mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an der Spitze und G7 oder G20 als ausführende Institutionen. Gerade die wohlhabenden Länder der Welt tragen aus Sicht der Bundesregierung eine besondere Verantwortung, Krisen zu verhindern und Forschungslücken zu schließen, so Schütte. Während die WHO wertvolle Analysen und Empfehlungen liefere, sei es an Zusammenschlüssen wie G7 oder G20, für die Implementierung zu sorgen.

Der Ökonom Dean Jamison, emeritierter Professor von der University of California, warb dafür, einen größeren Teil des internationalen Spendenaufkommens für globale Zwecke zu verwenden. Länderspezifische Programme sollten dagegen zurückgefahren werden. Er argumentierte, dass viele arme Menschen nicht in einem der ganz armen Länder leben, sondern in Ländern mit mittlerem Wohlstand. Es könne natürlich nicht das Ziel sein, Länder zu subventionieren, die an der Hilfe für ihre bedürftigen Bürger sparen. Länderspezifische Hilfe solle sich deshalb auf die ärmsten Länder der Welt beschränken und die globalen Funktionen stärken, die G7 oder G20 übernehmen könnten.

Dabei geht es um Dinge wie die Führungsrolle, die Bereitstellung globaler öffentlicher Güter sowie das Management grenzüberschreitender Aufgaben. "Investitionen in solche globale Funktionen versprechen außerordentliche Erträge", sagte Jamison.

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