Gesundheitspolitik international

Schweiz: Ärzte fehlen, Ritalin®- Rezepte steigen

BERN(ine). In der Schweiz ist der Verkauf von Ritalin® in den letzten Jahren stark gestiegen. Allein im vergangenen Jahr ist ein Fünftel mehr an Packungen verkauft worden, heißt es bei dem Heilmittelinstitut Swissmedic in Bern. Für Jörg Leeners, Chefarzt des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes in Graubünden, ist der Mangel an Fachärzten einer der Gründe für den Anstieg.

Veröffentlicht: 08.06.2009, 05:00 Uhr

Ritalin® mit dem Wirkstoff Methylphenidat wirkt stimulierend auf das zentrale Nervensystem. Es wird überwiegend zur Behandlung von Patienten von Narkolepsie eingesetzt und bei Kindern und Jugendlichen zur Therapie von Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen (ADHS). In der Schweiz gibt es seit 1996 Daten über die Verschreibungen von Methylphenidat.

Nach Angaben von Swissmedic ist etwa im Kanton Neuenburg die Zahl der in Apotheken eingelösten Ritalin-Rezepte um mehr als das Achtfache gestiegen. Die überwiegende Mehrheit der Rezepte betraf Kinder im Alter von fünf bis 14 Jahren, heißt es in einer Mitteilung des Heilmittelinstituts.

Besorgt über den Anstieg ist der Chefarzt Jörg Leeners. Wie er in der "Schweiz am Sonntag" erläutert, wird Ritalin häufig von Ärzten ohne psychiatrische Ausbildung verschrieben. "Die Gefahr von Fehldiagnosen ist groß", so Leeners. Ursachen wie Überforderung, Depression oder Lernstörungen müssten vor einer Behandlung ausgeschlossen werden. "Um ADHS wirklich zu erkennen, muss man sehr gut hinschauen."

Seiner Meinung nach würde mehr Fachpersonal helfen, Fehler zu vermeiden. Allerdings sei der Beruf des Kinder- und Jugendpsychiaters in der Schweiz in den letzten Jahren zunehmend unattraktiv geworden, weil sie im Vergleich zu anderen Fachärzten deutlich schlechter verdienen.

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