Schweiz erörtert Stopp der Sterbehilfe

Veröffentlicht:

BERN (dpa). In der Schweiz wird über eine Eindämmung der organisierten Sterbehilfe debattiert. Der Schweizer Bundesrat hat zwei Varianten zur Änderung des Strafrechts vorgeschlagen. Entweder sollen sich Mitarbeiter von Sterbehilfeorganisationen wie Dignitas an strenge Auflagen halten, oder die organisierte Sterbehilfe wird ganz verboten. Auch aus Deutschland und anderen europäischen Ländern waren in der Vergangenheit häufig Todkranke in die Schweiz gereist.

Die vorgeschlagenen Auflagen für Sterbehilfeorganisationen sind restriktiv. Demnach können sich nur urteilsfähige todkranke Menschen beim Sterben helfen lassen. Chronisch Kranke und Menschen mit psychischen Leiden können organisierte Sterbehilfe nicht in Anspruch nehmen. Erforderlich sind zudem zwei Gutachten von zwei Ärzten, die von der Sterbehilfeorganisation unabhängig sind. Helfer dürfen auch keine finanzielle Gegenleistung annehmen, die die Kosten und Auflagen für die Suizidhilfe übersteigen würde.

Die Regierung bevorzugt die Variante mit den strengen Sorgfaltspflichten. Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf begründete diese Haltung mit dem Recht auf Selbstbestimmung und auf ein Sterben in Würde. Mit den strengen Auflagen könnten fragwürdige Praktiken bei der Sterbehilfe unterbunden werden. Als zweite Variante stellt der Bundesrat ein Verbot der organisierten Sterbehilfe zur Diskussion. "Es gibt Mitglieder des Bundesrates, die nur diesen einzigen Weg sehen", sagte Widmer- Schlumpf dazu. Vorteil eines Verbotes wäre eine klare Regelung ohne Diskussionen.

Nach Angaben des Bundesamtes für Justiz wurden im Jahr 2007 über 1300 Selbsttötungen gezählt; Sterbehilfeorganisationen begleiteten rund 400 davon. Die Zahl der Menschen aus dem Ausland, die aufgrund der liberalen Schweizer Regelung zum Sterben ins Land reisen, nehme zu.

Als "inakzeptabel" beurteilte die Sterbehilfeorganisation Exit die vorgeschlagene Einschränkung der Sterbehilfe. Dignitas sprach von einem "unerhörten Affront" für chronisch Kranke und urteilsfähige psychisch Kranke. Mit dieser Bestimmung "leistet der Bundesrat einsamen Suiziden auf Bahngeleisen und von hohen Brücken Vorschub". Schützenhilfe erhielten die beiden Sterbehilfeorganisationen von den Grünen. Die Vorschläge des Bundesrates gingen zu weit und würden letztlich die Arbeit der Suizidhilfeorganisationen unmöglich machen.

Mehr zum Thema

Debatte in Nationalversammlung

Frankreich: Wird aus dem Sterbehilfe- ein „Euthanasie-Gesetz“?

Debatte im Parlament beginnt in dieser Woche

Kanalinsel Jersey will über Sterbehilfe abstimmen

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Referentenentwurf

„Gesundes-Herz-Gesetz“: Die Statin-Gießkanne für Deutschland?

Untypisches Krankheitsbild

Kasuistik: Hinter dieser Appendizitis steckte ein Bakterium

Lesetipps
Globuli in Fläschchen

© ChamilleWhite / Getty Images / iStock

Leitartikel

Homöopathie: Eine bloße Scheindebatte

Eine neue Leitlinie, die Ende diesen Jahres veröffentlicht werden soll, soll Ärzten und Ärztinnen in der hausärztlichen Versorgung helfen, Patienten und Patientinnen zur Vitamin-D-Substitution adäquat zu beraten.

© irissca / stock.adobe.com

32. Jahreskongress der SGAM

Empfehlungen zur Vitamin-D-Substitution: Neue Leitlinie angekündigt