PKV

Stabile Beiträge angekündigt

Keine großen Beitragserhöhungen für Privatversicherte, lässt der PKV-Verband verlauten. Bei den neuen Unisextarifen müssen Männer aber tiefer in die Tasche greifen - und für Frauen wird es wohl auch nicht billiger.

Von Ilse SchlingensiepenIlse Schlingensiepen Veröffentlicht:
Die neue Unisextarife bringen für Frauen laut Angaben der Hallesche wohl keine Ersparnis.

Die neue Unisextarife bringen für Frauen laut Angaben der Hallesche wohl keine Ersparnis.

© ARCO IMAGES / imago

STUTTGART. In der privaten Krankenversicherung (PKV) drohen im kommenden Jahr keine massiven Beitragserhöhungen für Bestandskunden. Darauf machen Branchenvertreter aufmerksam.

"Nach allem, was wir aus den Versicherungsunternehmen hören, wird es 2013 in den großen Beständen der privaten Vollversicherung für viele Millionen Privatversicherte gar keine Erhöhung geben, oder nur sehr geringe Anpassungen im kleinen einstelligen Prozentbereich", sagte Stefan Reker, Geschäftsführer des PKV-Verbands.

Er reagierte auf einen Bericht von "Spiegel Online", nach dem auf Vollversicherte erneut starke Beitragserhöhungen zukommen und Neukunden künftig drastisch höhere Prämien bezahlen müssen.

"In dem Artikel werden Beiträge für zukünftige neue Unisex-Tarife mit vermeintlichen Beitragsanpassungen im Bestand auf eine absurde Art und Weise vermischt", kritisierte Reker.

Auch Dr. Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender des Alte Leipziger - Hallesche Konzerns hält den Bericht für fragwürdig. "Wir können diese Angaben nicht nachvollziehen", sagte er.

Die Hallesche selbst wird bei den Bestandskunden die Prämien in der Vollversicherung für 2013 im Schnitt um 6,5 Prozent erhöhen.

Männer zahlen deutlich mehr

Eins ist nach den Kalkulationen der Hallesche klar: Die neuen geschlechtsneutralen Tarife werden für Männer künftig deutlich teurer. Sie werden den Frauen aber anders als von vielen erwartet kaum Ersparnis bringen.

"Unisex wird sich bei den Frauen plus/minus Null auswirken", sagte Vorstand Wiltrud Pekarek. "Bei den Männern wird es bis zu 20 Prozent teurer."

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshof dürfen Versicherer bei der Kalkulation ihrer Tarife ab dem 21. Dezember 2012 bei neuen Verträgen nicht mehr nach dem Geschlecht der Kunden unterscheiden.

"Wir haben nie behauptet, dass Unisex für irgendwen günstig ist", sagte Botermann. Um spätere Beitragssprünge bei den Versicherten zu vermeiden, müssten die Krankenversicherer von Anfang an vorsichtig kalkulieren.

Das tut die Hallesche unter anderem, indem sie den Rechnungszins von 3,5 Prozent auf 2,5 Prozent absenkt. Das ist der Wert, mit dem das für die Alterungsrückstellungen angesparte Geld der Kunden mindestens verzinst wird. Er liegt seit Jahren unverändert bei 3,5 Prozent.

Da es für die PKV-Unternehmen angesichts der Lage auf den Kapitalmärkten immer schwieriger wird, den Wert zu bedienen, hält die Mehrheit der Branche eine Absenkung auf 2,75 Prozent für sinnvoll.

"Wer weiter mit 3,5 Prozent kalkuliert, der verkauft seinen Kunden von Anfang an eine Beitragserhöhung", sagte er.

Der Leistungsumfang soll steigen

Um eine höhere Beitragsstabilität zu erzielen, wird die Hallesche ab dem 21. Dezember mit 2,5 Prozent kalkulieren, sagte Botermann. "Die 0,25 Prozentpunkte weniger machen zwischen sechs und acht Euro im Monat aus."

Er geht davon aus, dass diese Größenordnung nicht viele Kunden beeinflussen wird. Mit dem Umstieg auf die neuen Tarife werde die Hallesche nicht nur die Preise erhöhen, sondern auch die Qualität verbessern, sagte Vorstand Pekarek.

 Der Versicherer wird in Bereichen wie der Psychotherapie und der Versorgung mit Hilfsmitteln den Leistungsumfang erhöhen und Bereiche in die Versicherungsbedingungen aufnehmen, die bislang den Versicherten zwar erstattet wurden, auf die sie aber keinen Anspruch hatten.

"Alle unsere Produkte erfüllen die Mindeststandards, die vom PKV-Verband empfohlen werden", kündigte sie an.

Mehr zum Thema

Gemeinsamer Bundesausschuss

Innovationsfonds-Projekte: Zwei Daumen hoch, einer runter

Arbeits- und Gesundheitsschutz

Mehr als 700 Millionen AU-Tage im ersten Pandemiejahr

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Olaf Scholz ist von der Entscheidung Bayerns, die 2G-Plus-Regel in der Gastronomie nicht umzusetzen, etwas angefressen.

© dpa

Update

Bund-Länder-Beschluss

Lauterbach muss jetzt nationale Teststrategie überarbeiten