Angehörige

Studie beleuchtet Nöte bei Pflege auf Distanz

Kümmern sich Angehörige oder Freunde um entfernt lebende Pflegebedürftige, kann das besondere Probleme mit sich bringen. Nicht wenige fühlen sich zudem in ihrer Rolle falsch wahrgenommen, so eine Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege.

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Informelle Pflege: Das Gros der rund 4,1 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland wird von Angehörigen oder nahen Freunden betreut.

Informelle Pflege: Das Gros der rund 4,1 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland wird von Angehörigen oder nahen Freunden betreut.

© Ute Grabowsky / photothek / picture alliance

Berlin. Pflegende An- und Zugehörige stellen Deutschlands größten Pflegedienst. Nicht wenige fühlen sich gesundheitlich belastet, da häusliche Pflegesituationen lange andauern, körperlich anstrengend und emotional aufreibend sein können. Besonders gefordert sind Angehörige, die Pflege auf Distanz organisieren, wie aus einer Umfrage des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP) unter gut 1000 Bundesbürgern hervorgeht, die von ihren pflegebedürftigen Eltern weit entfernt leben.

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Mehr als 40 Prozent der Befragten äußern, dass sie mit der Pflegesituation eher oder gar nicht zufrieden sind. Stärkere Unzufriedenheit wird von denjenigen mit langen Wegezeiten zum Pflegebedürftigen angegeben. Ab einer Wegstrecke von zwei Stunden liegt der Anteil derer, die sich eher oder sehr unzufrieden zeigen, bei 61 Prozent.

Einschränkungen im Beruf

Fast jeder zweite Befragte fühlt sich wegen des Zeitaufwands belastet, 38 Prozent der Erwerbstätigen unter ihnen klagen über berufliche Einschränkungen und 21 Prozent geben eine Belastung infolge des finanziellen Aufwands der Unterstützung an. Von den Befragten, die bereits vor der Corona-Pandemie in der Pflegesituation geholfen haben, sagen knapp 60 Prozent, in der Folge sei dies für sie schwieriger geworden.

In der Studie werden auch Probleme thematisiert, die insbesondere mit Pflege auf räumliche Distanz verbunden sein können. So sagen drei Viertel der Befragten, es belaste sie, in Notsituationen vor Ort nicht besser helfen zu können.

Knapp zwei Drittel empfinden es als beschwerend, wegen der Entfernung zu wenig Einblick in die aktuelle Lage der pflegebedürftigen Person zu haben. Zudem belastet es 63 Prozent, aufgrund der Distanz die pflegebedürftige Person insgesamt nicht besser unterstützen zu können.

Hilfe bei administrativen Aufgaben

Auf räumliche Distanz Pflegende seien vor allem bei administrativer Unterstützung eingebunden, sagte ZQP-Chef Dr. Ralf Suhr. Sie kümmerten sich um Bankangelegenheiten, Korrespondenz mit der Krankenkasse oder die Koordinierung des Pflegedienstes. Viele seien aber auch vor Ort tätig. Sie begleiteten beim Arztbesuch oder unterstützten bei der Körperpflege. „Dafür nehmen nicht wenige von ihnen regelmäßige Anfahrten von über einer Stunde in Kauf.“

Problematisch sei, dass viele auf Distanz Pflegende den Eindruck hätten, dass ihr Engagement unterschätzt werde – etwa von Arbeitgebern, Ärzten, Pflegediensten aber auch in der Familie. Dies spiegelt sich ebenfalls in der Befragung: 41 Prozent geben an, dass der Umfang ihrer Unterstützung von anderen Personen teils nicht richtig wahrgenommen werde, weil sie nicht so oft vor Ort sichtbar seien.

„Informelle Pflege hat mehrere Facetten“

Suhr rief dazu auf, der Situation von auf Distanz Pflegenden insbesondere im Gesundheits- und Sozialwesen mehr Beachtung zu schenken. „Die informelle Pflege hat verschiedene Facetten. Wer bedürfnisorientiert helfen und bei der Prävention in der Pflege erfolgreich sein will, sollte die unterschiedlichen Herausforderungen pflegender Angehöriger auf dem Schirm haben.“ (hom)

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