Fehlplanung am Bodensee

Teure CT im Kilometerabstand

Zwei Kliniken in Bodenseenähe werden bald Großgeräte im Abstand von zwei Kilometern vorhalten. Ein krasses Beispiel von Fehlsteuerung? Die Regierung im Ländle zeigt sich machtlos. Aber sie hat einen Trumpf in der Hand.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:
Idylle am See: Am Bodensee könnte die CT-Dichte zunehmen.

Idylle am See: Am Bodensee könnte die CT-Dichte zunehmen.

© Joana Kruse / imago

STUTTGART. Zwei Krankenhäuser mit teuren Computertomografen und Herzkatheter-Messplätzen - kaum zwei Kilometer voneinander entfernt. In Baden-Württemberg ist das möglich. Die CDU-Landtagsfraktion ruft nach einer "steuernden Krankenhausplanung".

Die Entwicklung in der Region Ravensburg in unmittelbarer Nähe des Bodensees sei "ein weiteres auffälliges Beispiel für die Fehlsteuerung von Investitionen im Gesundheitswesen", wetterte der CDU-Landtagsabgeordnete Paul Locherer im Juli.

Kurz zuvor war bekannt geworden, dass das Klinikum Friedrichshafen das Krankenhaus "14 Nothelfer" im rund 20 Kilometer entfernten Weingarten übernehmen will.

Man wolle die Klinik in Weingarten als Haus der Grund- und Regelversorgung erhalten und kräftig investieren, hieß es in einer Mitteilung aus Friedrichshafen. 1,5 Millionen Euro soll für die Anschaffung von Computertomografen (CT) und Magnetresonanz-Tomografen (MRT) investiert werden. Auch die Einrichtung eines Linkskathetermessplatzes sei geplant.

Im Gegensatz dazu muss die Stadt Weingarten zahlen, um die Klinik GmbH, auf der rund 6,6 Millionen Euro Schulden lasten, loszuwerden. Insgesamt 7,5 Millionen Euro muss die Kommune mit rund 24.000 Einwohnern aus dem Haushalt nachschießen - dann ist sie die unternehmerische Verantwortung für ihr 166-Betten-Haus los.

Warnung aus dem Ministerium

Luftlinie rund zwei Kilometer neben der jüngst verkauften Klinik Weingarten befindet sich das St. Elisabeth Krankenhaus der Oberschwabenklinik (OSK). Mit 520 Betten ist es nicht nur das größte Haus der OSK im Landkreis Ravensburg, sondern auch die größte Klinik der Region.

Als Krankenhaus der Zentralversorgung ist es unter anderem mit der Klinik für Kardiologie auf Diagnostik und Therapie von Patienten mit Herz- und Kreislauferkrankungen spezialisiert. Neben zwei Linksherz-Kathetermessplätzen gehören auch zwei CT und ein MRT zur Ausstattung.

Das Sozialministerium in Stuttgart vermag zur Sinnhaftigkeit, im Abstand von zwei Kilometern in teure Großgeräte zu investieren, wenig zu sagen: Die Entscheidung über die Ausstattung innerhalb eines bestehenden Versorgungsauftrags liege allein beim Krankenhausträger, heißt es.

Schon seit 2005 würden keine Großgeräte mehr gefördert, bereits 1997 hat das Land die entsprechende Planung aufgegeben. Das Land habe keine Handhabe, bei solchen Investitionen der Träger zu intervenieren.

Mit einer Einschränkung: Sollte der neue Träger der Klinik "14 Nothelfer" eine Änderung des Versorgungsauftrags beantragen, müssten "Bedarfsgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit" nachgewiesen werden, erklärt das Sozialministerium - und schiebt die Warnung hinterher: Eine "Aufrüstung" durch zusätzliche Leistungsangebote würden die zuständigen Behörden "grundsätzlich nicht unterstützen".

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