Berufspolitik

Therapeuten wollen schneller ans Wochenbett

Bis zu 15 Prozent der Mütter leiden an einer Wochenbettdepression. Psychotherapeuten knüpfen das Thema an die Forderung nach mehr Sitzen. Der GKV-Spitzenverband verneint den Bedarf.

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Eine junge Mutter: Tränen, statt Freude über das Kind.

Eine junge Mutter: Tränen, statt Freude über das Kind.

© imagebroker / imago

BERLIN (sun). Das eigene Kind nicht lieben? Für die meisten undenkbar - für einige Mütter Realität: Sie leiden an einer sogenannten Wochenbettdepression.

Studien zufolge sind zehn bis 15 Prozent der Mütter davon betroffen. Aus Scham sprechen viele nicht darüber: "Sie haben Schuldgefühle und im schlimmsten Fall sogar Suizidgedanken", sagt der Gesundheitsexperte Dr. Thomas Bicker, Gynäkologe und Psychotherapeut.

Aus Sicht der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung ist Schweigen jedoch der falsche Weg: Eine postpartale Depression müsse so schnell wie möglich von einem Psychotherapeuten behandelt werden, andernfalls könne sich dieses Krankheitsbild chronifizieren.

Allerdings gebe es nicht für alle Betroffenen umgehend einen Therapieplatz, warnte Dieter Best, Bundesvorsitzender des DPtV in Berlin. Bereits in der Vergangenheit hatte die Vereinigung immer wieder das lange Warten auf ein Erstgespräch kritisiert.

Studien zufolge dauert es durchschnittlich länger als zwei Monate, bis psychisch kranke Menschen ein Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten bekommen. Grund dafür sei eine "verfehlte Bedarfsplanung", die in vielen Gebieten Deutschlands keine weiteren Zulassungen ermögliche, so Best.

Diskussion um Hobbypraxen

Der GKV-Spitzenverband widersprach vehement: Zunächst sollten Hebammen und Gynäkologen erste Ansprechpartner für die Betroffenen sein. "Diese Berufsgruppen können bereits viel abfedern", sagte Ann Marini, Sprecherin des Verbandes, der "Ärzte Zeitung".

Zudem müsse überprüft werden, ob die langen Wartezeiten nicht auch damit zu begründen seien, dass einige Psychotherapeuten zwar einen ganzen Praxissitz beanspruchten, aber "vielleicht weniger arbeiteten als sie sollten", sagte Marini.

Bereits vor einnigen Tagen hatte eine Diskussion um sogenannte Hobbypraxen für viel Wirbel gesorgt. Viele Tausend Vertragsärzte behandeln offenbar deutlich weniger Patienten als die Mehrheit ihrer Kollegen.

Kritiker hatten angemerkt, dass sie den Versorgungsauftrag vernachlässigten. Ärzte hatten dies verneint. CDU-Politiker Jens Spahn kritisierte die Hobbypraxen: "Wer trotz Zulassung mit vollem Arztsitz seinen Versorgungsauftrag nicht voll erfüllt, tut dies zu Lasten seiner Kollegen, die um so mehr arbeiten müssen."

Der Gemeinsame Bundesausschuss müsse es möglich machen, in solchen Fällen die Zulassung entsprechend prozentual zu reduzieren, "damit versorgungswillige Ärzte nicht blockiert werden".

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