Arztzahlen

Um Berlin bröckelt die Versorgung

Die neuen Arztzahlen für das Jahr 2013 aus Brandenburg bergen einige Überraschungen. Aktuell besteht kein Hausärztemangel mehr. Doch die Entwicklung ist regional unterschiedlich.

Von Angela MisslbeckAngela Misslbeck Veröffentlicht:
In der Uckermark oder in der Prignitz ist die Hausarztdichte nicht schlechter als im Berliner Umland.

In der Uckermark oder in der Prignitz ist die Hausarztdichte nicht schlechter als im Berliner Umland.

© Armin Weigel/dpa

POTSDAM. "Niederlassungsberatung und neue Rahmenbedingungen haben dazu geführt, dass die Niederlassung als Hausarzt wieder attraktiv wird", sagte der hausärztliche Vorstand der KV Brandenburg (KVBB), Andreas Schwark, der "Ärzte Zeitung".

Zwar ist Brandenburg immer noch das Schlusslicht bei der Einwohner-Vertragsarzt-Relation insgesamt. 753 Einwohner pro Arzt in Brandenburg stehen 663 im Bundesdurchschnitt gegenüber.

Bei den Fachärzten besteht zum vorletzten Platz zudem ein deutlicher Abstand. Brandenburg rangiert hier mit 1405 Einwohnern pro Facharzt weit hinter Niedersachsen mit 1287 und dem Bundesdurchschnitt von 1162.

Doch bei den Hausärzten hat sich die Situation geändert. Hier belegt Brandenburg den vorletzten Rang mit 1624 Einwohnern pro Hausarzt vor Nordrhein-Westfalen (1637). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 1541 Einwohnern pro Hausarzt.

Paradoxe Situation in der Uckermark

Innerhalb Brandenburgs beobachtet Schwark große Unterschiede. Angesichts der aktuellen Zahlen zeigte er sich "teilweise verwundert": Relativ gut versorgt seien nicht zwangsläufig die Kreise um Berlin herum.

"Man kann nicht sagen, um Berlin herum ist alles gut, und entfernt davon ist alles schlecht. Die Datenlage zeigt doch ein differenzierteres Bild", sagte Schwark.

Eine der besten Hausarztdichten besteht den Angaben zufolge im berlinfernen Mittelbereich Perleberg/Wittenberge. Auch Bad Freienwalde sei innerhalb von fünf Jahren von der Unterversorgung in eine komfortable Situation gekommen.

In der Uckermark und in der Prignitz sei die Situation paradox: "Wir haben wenig Einwohner, aber eine insgesamt ausreichende Zahl von Ärzten. Also müssen die Einwohner unter Umständen etwas weiter fahren", sagte Schwark.

Er forderte, dass berlinnahe Gebiete bei der Versorgungsplanung genauso beachtet werden müssen wie der ländliche Bereich.

Die schlechteste Hausarztdichte haben Schwark zufolge fünf an Berlin und Potsdam grenzende Mittelbereiche. Das bereitet keine Probleme, solange die Menschen in diesen Regionen noch berufstätig sind und Ärzte an ihrem Arbeitsplatz in Berlin aufsuchen. Doch nimmt der Anteil der Rentner im Berliner Umland überdurchschnittlich zu.

Die Zahl der Menschen über 65 Jahre steige dort von 2010 bis 2030 um 70 Prozent, wohingegen sie in den berlinfernen Regionen um 40 Prozent wächst.

Gleichzeitig geht die Zahl der Jüngeren nicht so stark zurück wie weiter weg von der Hauptstadt. Deshalb fordert Schwark, dass ein Hauptaugenmerk auf die Versorgung im Berliner Umland gelegt wird.

Bevölkerungsentwicklung seit 2005 negativ

Mit Blick auf die aktuelle Versorgungslage in Brandenburg zeigte sich Schwark erfreut, "dass es gelungen ist, die Zahl der Hausärzte stabil zu halten".

Unter Berücksichtigung des Versorgungsumfangs ist sie Schwark zufolge seit 2005 um 0,4 Prozent gesunken. Stärker ging die Versorgung mit Hals-Nasen-Ohren-Ärzten (minus 6,6 Prozent), Kinderärzten ( minus 8,8 Prozent) und Dermatologen (minus 10,2 Prozent) zurück.

Schwark wies darauf hin, dass auch die Bevölkerungsentwicklung seit 2005 negativ sei. Vor allem der Rückgang an Kinderärzten sei "der Demografie geschuldet. Wenn nicht mehr so viele Kinder nachkommen, brauche ich in bestimmten Gegenden auch nicht mehr so viele Kinderärzte."

Allerdings steigt der Anteil der Ärzte über 60 Jahre in Brandenburg wieder. So sind im südlichen Landkreis Oberspreewald-Lausitz mehr als 40 Prozent der Hausärzte über 60.

Für junge Ärzte sind die Niederlassungsmöglichkeiten in Brandenburg derzeit wesentlich eingeschränkter als noch vor einigen Jahren.

Niederlassungsförderungen aufgrund von drohender Unterversorgung gibt es für Hausärzte derzeit in 14 berlinfernen Regionen, für Frauenärzte und Augenärzte in drei Planungsbereichen und für Kinderärzte in einem.

Bestehende Unterversorgung wurde für Augenärzte in den drei südlichen Bereichen Finsterwalde, Elsterwerda, Lauchhammer und für Kinderärzte und Dermatologen jeweils in einem Bereich im Nordwesten Brandenburgs festgestellt.

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