KOMMENTAR

Unerträgliche Schreie von nebenan

Von Pete Smith Veröffentlicht:

Wenn irgendwo in Deutschland erneut ein Kind verhungert, zu Tode geprügelt oder erstickt wird, werden die Zeitungen und Nachrichtensender wieder in großer Aufmachung darüber berichten. Von den alltäglichen Schlägen, Erniedrigungen und Vernachlässigungen jedoch bekommt selten jemand etwas mit.

In aller Regel nämlich werden die wehrlosesten Angehörigen der Gesellschaft gerade dort misshandelt, wo sie den größten Schutz zu erwarten hätten - daheim. Selten geschieht es, dass ein mutiger Nachbar die Polizei alarmiert, weil die Schreie von nebenan unerträglich werden. Häufiger dagegen sind es aufmerksame Ärzte, die misshandelte Kinder vor weiterem Leid bewahren, indem sie die Symptome, unter denen ihre Patienten leiden, zutreffend deuten und entsprechende Schritte einleiten.

Solche Ärzte lassen sich nicht durch seichte Erklärungen der Eltern abspeisen und scheuen auch den bürokratischen Mehraufwand nicht, den ihr entschlossenes Einschreiten verlangt. Zu selten werden diese Kollegen öffentlich gewürdigt, da ihr ärztliches Ethos Verschwiegenheit geradezu impliziert.

Nichtsdestoweniger kann die Gesellschaft sie unterstützen, indem sie Netzwerke schafft, bürokratische Hindernisse zur Seite räumt und ihnen Hilfen an die Hand gibt, die sie im Umgang mit misshandelten Kindern schulen und in ihrem Einschreiten bestärken. Jede Form von Gewalt gegen Kinder - wozu auch der "kleine Klaps auf den Po" gehört - muss geächtet werden.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund: Körperlich und seelisch misshandelte Kinder - wie Ärzte in der Praxis reagieren können

Schlagworte:
Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Übergangsfinanzierung für Kliniken in der Kritik

Grünen-Politikerin warnt vor teuren Subventionen für Krankenhäuser

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cyberangriffe & Co.

So reagieren Arztpraxen im IT-Notfall richtig

Gendermedizin

Lena Marie Seegers: Ein Herz für Frauenherzen

Evolution der Therapiesteuerung

Diabetesmanagement: Das Ende des HbA1c-Werts?

Lesetipps
Madrid bei Sonnenuntergang.

© Shansche / Getty Images / iStock

Vorschau aufs Wochenende

Herzkongress ESC 2025: Diese neuen Studien stehen im Blickpunkt

Ein Hausarzt lädt in seiner Praxis Dokumente in eine elektronische Patientenakte

© Daniel Karmann/dpa

Stichtage rücken näher

Warum es sich für Praxen lohnt, vor dem 1. Oktober in die ePA einzusteigen