Suchtpolitik
Studie: Cannabis-Freigabe ist kein Konjunkturprogramm für Dealer
Auf Rezept oder vom eigenen Balkon! Keineswegs stehen sich Cannabiskonsumenten vermehrt in dunklen Ecken auf den Füßen, um an Stoff zu kommen.
Veröffentlicht:Frankfurt/Main. Nach dessen Teillegalisierung prognostizierten Kritiker des Cannabiskonsums Nachfrageimpulse vor allem zugunsten des Schwarzmarkts. Eher scheint jedoch das Gegenteil der Fall, wie aus einer aktuellen Online-Umfrage bei über 11.000 Bundesbürgern hervorgeht, die regelmäßig Marihuana nehmen. Die nicht repräsentative Erhebung des Instituts für Suchtforschung der Frankfurter Fachhochschule (Frankfurt University of Applied Sciences) und der Evangelischen Hochschule Freiburg zeige „deutliche Verschiebungen“ zugunsten legaler Bezugsquellen. Das Cannabisgesetz sei „bereits jetzt ein Erfolg im Hinblick auf die Schwächung des illegalen Marktes“, wird Studienleiter Bernd Werse in einer Universitätsmitteilung am Freitag zitiert.
Demnach bauen die Befragten „mehrheitlich selbst Cannabis an oder beziehen es per Rezept über Apotheken“. 88 Prozent hätten in den zurückliegenden sechs Monaten – die Befragung fand von Ende März bis Anfang Juni dieses Jahres statt – ihr Haschisch „hauptsächlich aus einer grundsätzlich legalen Quelle bezogen“. Vor Inkrafttreten des Cannabisgesetzes (am 1. April 2024) hätten lediglich 24 Prozent „eine der jetzt legalisierten Möglichkeiten als Hauptquelle genutzt“. Darunter fallen auch Cannabis-Anbauvereine, von denen Medienberichten zufolge Stand Juli aber erst rund 300 eine behördliche Lizenz erhalten haben.
Befürchtungen, Kiffer könnten im öffentlichen Raum übermäßig ins Auge fallen, scheinen sich gleichfalls nicht zu bestätigen. „Die meisten Befragten konsumieren im privaten Rahmen; fast alle geben das eigene Grundstück als einen ihrer Konsumorte an“, berichtet die Freiburger Sozialpsychologin Professor Anke Stallwitz. Nur knapp die Hälfte nenne auch den öffentlichen Raum. Lediglich die wenigen Jugendlichen unter den Befragten (0,8 Prozent 14- bis 18-jährige) hätten „deutlich häufiger“ der Antwortoption zugestimmt, sich außer Haus zu berauschen. (cw)