Klinikmarkt in Deutschland

Studie: Zahl der defizitären Krankenhäuser steigt weiter

Laut einer Analyse der Unternehmensberatung Roland Berger schreiben inzwischen drei von vier Krankenhäusern Verluste. Vor allem eine Gruppe unter den Kliniken hat mit Defiziten zu kämpfen.

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Blick in den Flur einer Klinik: Drei Viertel der Krankenhäuser machten zuletzt Verluste.

Blick in den Flur einer Klinik: Drei Viertel der Krankenhäuser machten zuletzt Verluste.

© Fabian Strauch / dpa / picture alliance

Berlin. Gut positioniert oder tief im roten Bereich: Unternehmensberater machen mit Blick auf den hiesigen Krankenhausmarkt eine wachsende Polarisierung aus.

„Der Anteil der Kliniken mit einem ausgeglichenen Ergebnis schrumpft, stattdessen arbeiten Häuser entweder profitabel oder geraten immer stärker in eine finanzielle Schieflage, letzteres vor allem in der Gruppe der öffentlichen Krankenhäuser“, schreibt Peter Magunia, Partner von Roland Berger, in einer am Freitag veröffentlichten Studie.

Drei von vier Kliniken (75 Prozent) haben demnach das Geschäftsjahr 2024 mit einem Defizit abgeschlossen. Vor fünf Jahren waren es 32 Prozent. Etwa jedes siebte Krankenhaus (15 Prozent) verzeichnet sogar ein Defizit von mehr als zehn Prozent des Umsatzes.

Öffentliche Häuser: Nur neun Prozent mit Überschuss

Unter den öffentlichen Häusern schreiben 89 Prozent rote Zahlen, neun Prozent erzielen Überschüsse. Von den privaten Häusern sind hingegen „nur“ 17 Prozent defizitär – 83 Prozent machen Gewinne.

Zwischen „beiden Extremen“ lägen Kliniken in freigemeinnütziger Trägerschaft, heißt es in der Studie: 68 Prozent dieser Häuser verbuchten 2024 ein Minus, 21 Prozent erzielten Gewinne.

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Für seine „Krankenhausstudie 2025“ befragte das Unternehmen Roland Berger rund 850 Führungskräfte. Laut Magunia verliefen die vergangenen Jahre für die Krankenhäuser bereits „herausfordernd“. 2024 habe sich die Situation „in einem bislang unbekannten Ausmaß zugespitzt“.

Die Studie erscheint mitten in die Debatte um ein Korrekturgesetz für die Krankenhausreform (KHVVG) des früheren Gesundheitsministers Karl Lauterbach (SPD) hinein. Lauterbach hatte seine Reform auch damit begründet, dass es ohne den Umbau zu einem „unkontrollierten Kliniksterben“ komme.

Mitten in die laufende Reformdebatte hinein

Kritiker des von Union und SPD vorgelegten Entwurfs für ein Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) fürchten derweil, dass die vorgesehenen Fristverlängerungen und erweiterten Ausnahmeregeln – etwa bei der Vergabe von Leistungsgruppen – zur „Verwässerung“ des überfälligen Klinikumbaus führen könnten.

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Starten soll ab 2026 ein Krankenhaus-Transformationsfonds. Über diesen Fonds sollen – verteilt über zehn Jahre – insgesamt 50 Milliarden Euro an die Kliniken ausgeschüttet werden. Kurzfristig sollen zusätzlich vier Milliarden Euro als „Sofort-Transformationskosten“ fließen. Die sollen dem „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ entnommen werden.

Klinikmanager machen indes einen weit höheren Finanzbedarf aus. Laut Roland-Berger-Studie taxiert das Gros der Befragten die Transformationskosten in den nächsten fünf Jahren auf rund 130 Milliarden Euro. Das Geld sei vor allem für Um- und Neubauten, mehr „operative Effizienz“ und strukturelle Anpassungen nötig. (hom)

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