Gesundheitsberufe

Viele Fachkräfte erwägen Ausstieg

Eine Befragung der Hochschule Fresenius macht bei Physiotherapeuten & Co. hohe Unzufriedenheit deutlich. Schlechte Bezahlung und fehlende Perspektiven seien die Hauptgründe, heißt es einer Erhebung unter 1000 Therapeuten.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:
Von den 938 Umfrage-Teilnehmern sind bereits 236 aus ihrem Beruf ausgestiegen.

Von den 938 Umfrage-Teilnehmern sind bereits 236 aus ihrem Beruf ausgestiegen.

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IDSTEIN. In den nicht-ärztlichen Therapieberufen ist ein personeller Aderlass im Gange. Das geht aus einer nicht-repräsentativen Befragung von Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten zur Arbeitszufriedenheit hervor, die Ende September vorgestellt wurde.

An der Online-Umfrage, die von Studierenden an der Hochschule Fresenius in Idstein konzipiert wurde, nahmen 984 Fachkräfte aus den Gesundheitsberufen teil: 433 Logopäden, 306 Physiotherapeuten und 245 Ergotherapeuten. Die Antworten auf den Fragebogen, der insgesamt 50 Tage online war, erhöben keinen Anspruch auf Repräsentativität, spiegelten aufgrund der Teilnehmerzahl aber "eine Entwicklung in der Branche wider", teilt die Hochschule mit.

Jeder Vierte ist schon ausgestiegen

Die Teilnehmer der Umfrage stammten aus drei Gesundheitsberufen: 433 Logopäden, 306 Physiotherapeuten und 245 Ergotherapeuten machten mit.

Von den 938 Teilnehmern sind bereits 236 aus ihrem Beruf ausgestiegen. Von den 748 verbliebenen Befragten wollen 38 Prozent in ihrem Beruf weiterarbeiten, 37 Prozent denken über einen Wechsel nach. Weitere 15 planen eine berufliche Veränderung bereits konkret, zehn Prozent der Therapeuten "schauen sich momentan um". Unter den Physiotherapeuten und Logopäden ist der Anteil der Wechselwilligen mit 51 und 50 Prozent besonders hoch, bei den Ergotherapeuten ist diese Quote mit 38 Prozent etwas geringer.

Dr. Sabine Hammer, Dekanin des Masterstudiengangs Therapiewissenschaften an der Hochschule Fresenius, bezeichnete die Ergebnisse zur Berufsflucht als "mehr als ernüchternd". Dies gelte zumal vor dem Hintergrund, dass angesichts der demografischen Entwicklung mehr Menschen in den Gesundheitsberufen benötigt würden, so Hammer.

Erfragt wurden die Beweggründe für den Ausstieg aus dem Therapieberuf: Am häufigsten genannt wurden finanzielle Erwägungen (74 Prozent), fehlende Perspektiven des eigenen Berufs (67 Prozent) sowie eine fehlende Lobby (58 Prozent). Während in den Gesundheitsberufen bei Berufseinsteigern der Verdienst noch keine so zentrale Rolle spiele, ändere sich dies, "wenn etwa der Wunsch nach Familie und Eigenheim stärker wird und das Geld dafür nicht reicht", erläutert Dekanin Hammer.

Studie: Verdienst ist großer Nachteil

Das sehen die Autoren einer Studie ähnlich, die den Fachkräftebedarf in der Gesundheitswirtschaft im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums untersucht haben. Für Physiotherapeuten werden in der Studie je nach Lebensalter Bruttoentgelte von 22.000 bis 29.000 Euro pro Jahr angegeben. Vor allem die Tatsache, dass die Gehälter im Lebensverlauf nur langsam steigen und "schon in frühen Berufsjahren eine gewisse Grenze erreicht ist", wird als "großer Nachteil" der Gesundheitsfachberufe gesehen. Die Studienautoren haben versucht, die Berufswege derer nachzuverfolgen, die bereits ausgestiegen sidn. Sie unterscheiden dabei drei Gruppen. Bei rund 21 Prozent handele es sich um "Vollausteiger", die sich ganz andere Berufe suchen – vom Finanzberater bis zum Erzieher.

Zwei Drittel der Aussteiger fallen aber in die Kategorie "Weiterentwickler". Sie arbeiten überwiegend in der Lehre oder in der Forschung. Bei den übrigen rund 13 Prozent handele es sich um "Systemflüchter", die beispielsweise in Privatpraxen oder ins Ausland abwandern.

Vertreter der Gesundheitsfachberufe fordern seit Jahren eine Aufwertung insbesondere durch die Akademisierung. Diese, so die Forderung, müsse aber auch in den Berufsgesetzen festgeschrieben werden. Die große Koalition hat jedoch im vergangenen Jahr die Modellklausel in den Gesundheitsstudiengängen um vier weitere Jahre bis Ende 2021 verlängert. Anfang dieses Jahres haben die im Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe (HVG) zusammengeschlossenen Institutionen klare Perspektiven für die Absolventen und moderne Berufsgesetze gefordert.

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