Vor 2009: Kassen machen Tabula rasa

KÖLN (iss). In Westfalen-Lippe haben die Krankenkassen einen großen Teil der Sonderverträge mit der KV Westfalen-Lippe (KVWL) zum Jahresende gekündigt. Hintergrund ist die Unsicherheit der Kassen über ihre künftige Finanzlage.

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Ungewisse Zukunft: Diätplan wird in einer Schwerpunktpraxis besprochen.

Ungewisse Zukunft: Diätplan wird in einer Schwerpunktpraxis besprochen.

© Foto: Klaro

Fortgesetzt werden die Vereinbarungen zum ambulanten Operieren und zu Katarakt-Operationen. Kassen und KVWL haben bereits Gespräche über eine mögliche Fortführung auch der anderen Verträge vereinbart. Den Krankenkassen fehlen verlässliche Daten für die Haushaltsplanung für 2009, sagt Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender der AOK Westfalen-Lippe. "Wir schwimmen im Moment völlig. Wir wissen nichts über die künftige Einnahmesituation, und wir sehen bedenkliche Szenarien am Horizont, was die Ausgabenentwicklung angeht."

Bei den Einnahmen wissen die Kassen weder, wie sich der Gesundheitsfonds auswirken wird, noch welche Auswirkungen die Regelungen des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs (Morbi-RSA) haben werden. "Um in dieser Situation finanziell handlungsfähig zu bleiben, mussten wir die Sonderverträge kündigen", erläutert Litsch.

Vor allem die Kündigung der Verträge zur sozialpsychiatrischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen und zu den diabetologischen Schwerpunktpraxen sei den Kassen schwer gefallen. "Wir haben hier gute Strukturen für die Ergänzung der Versorgung geschaffen, die wollen wir nicht gefährden", sagt er.

Vor einer Fortführung der Verträge müssten die Kassen aber wissen, ob und wie sie in die Ausgleichsmechanismen des Morbi-RSA einfließen. Die Kassen wollen zumindest bei diesen beiden Verträgen noch vor Oktober ein Signal geben, ob und in welcher Form sie fortgeführt werden können. "Die Ärzte brauchen Verlässlichkeit", sagt Litsch.

Der zweite Vorsitzende der KVWL Dr. Wolfgang-Axel Dryden begrüßt, dass die Kassen so frühzeitig auf die Problematik aufmerksam gemacht und die Verträge nicht erst zum letztmöglichen Termin gekündigt haben. Gerade für die sozialpsychiatrische Versorgung und die diabetologischen Schwerpunktpraxen hätten die beteiligten Praxen ihr Personal aufgestockt, sagt er. Jetzt müssten sich die Ärzte auf mögliche Veränderungen vorbereiten, etwa bei den Arbeitsverträgen.

"Erst wenn die Konditionen der Verträge klar sind, wissen die Ärzte wieder, mit welchen Einnahmen sie kalkulieren müssen und können ihre Personalplanung entsprechend gestalten", sagt Dryden.

Der KVWL-Vize sieht die Politik gefordert. "Sie muss die Rahmenbedingungen möglichst bald klar machen, damit es für Ärzte und Krankenkassen wieder Kalkulationssicherheit gibt."

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Die Quittung für schlechte Politik

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