Wahlkampfgetöse oder Realität

Was macht Donald Trump nach der Wahl?

Trump als gesundheitspolitische Niete? US-Gesundheitsökonom Professor Uwe Reinhardt findet klare Worte zum zukünftigen US-Präsidenten. Diskutiert wird die Zukunft von Obamacare – und auch in Deutschland könnte Trump Schaden anrichten.

Von Jana Kötter Veröffentlicht:
Wie sieht eine Gesundheitspolitik unter Trump aus?

Wie sieht eine Gesundheitspolitik unter Trump aus?

© Kevin Dietsch / dpa

NEU-ISENBURG. Nach dem Wahlsieg Donald Trumps bleibt die Zukunft der Gesundheitsversorgung in den USA ungewiss. US-Gesundheitsökonom Professor Uwe Reinhardt bezweifelt, dass Trump ein tragfähiges Konzept hat, um die von Barack Obama eingeführte Krankenversicherung Obamacare wie angekündigt abzulösen.

Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" spricht Reinhardt dem designierten 45. Präsident jegliche gesundheitspolitische Kompetenz ab: Er habe "von der Materie nicht die geringste Ahnung".

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Republikaner es wagen werden, all die positiven Errungenschaften von Obamacare zu eliminieren", meint Reinhardt. Wäre er Berater von Trump, würde er ihm lediglich zu Änderungen an Obamacare raten.

Abschaffung von Obamacare problematisch

Tatsächlich könnte ein Stürzen auch durch die politischen Strukturen schwierig sein. Denn die Republikaner haben im Senat nicht die notwendige Zahl von 60 Sitzen, um eine Blockade durch die Demokraten zu verhindern. Diese können durch Dauerreden (Filibuster) erreichen, dass wichtige Gesetzesvorhaben nicht zur Abstimmung kommen.

Das Berliner IGES Institut beobachtet die Entwicklung in den USA "mit Sorge", wie Leiter Professor Bertram Häussler der "Ärzte Zeitung" sagte. Trump müsse einen Versicherungsschutz aufrecht erhalten, "um heftigen politischen Widerstand zu vermeiden".

Grund für die Sorge sind auch mögliche Folgen für die deutsche Gesundheitspolitik. So könnten die von Trump angekündigten Handelshemmnisse "die GKV-Ausgaben für hochwertige Arzneimittel noch steigern", weil Waren von US-Firmen höher besteuert würden, befürchtet Häussler.

Betroffen von Einschränkungen wären seiner Einschätzung nach im Wesentlichen Arzneimittel und Medizinprodukte, bei denen die USA gegenwärtig Netto-Exporteur gegenüber Deutschland sind.

Importbeschränkungen für ausländische Arzneien aufheben?

Die deutsche Generikaindustrie und Hersteller von Biosimilars können sich laut Häussler aber freuen, weil Trump Importbeschränkungen für Arzneien aufheben wolle.

Günstig hat sich der Wahlsieg Trumps auch auf die Nachfrage nach Pharmaaktien ausgewirkt. Vor allem Clintons Ankündigung, gegen ausufernde Arzneimittelpreise vorgehen zu wollen, hatte Anleger der Branche gegenüber vorsichtiger werden lassen.

Zu Jahresbeginn brach der lang anhaltende Aufwärtstrend des Dow Jones U.S. Health Care Index heftig ein. Seither bewegt sich der Index, in dem sämtliche namhaften US-Pharmafirmen gelistet sind, volatil seitwärts. Erkennbare Punktgewinne waren bereits am Vorabend der US-Wahl zu verzeichnen. Aktuell notiert der Index bei 747 Punkten – 31 Punkte mehr als am Morgen des 8. November und fast 100 Punkte über dem Februar-Tief.

Deutsche Healthcare-Aktien mit starkem Amerika-Geschäft steigen

Die Papiere deutscher Unternehmen mit starkem Standbein in den USA verbuchten nach Auszählung der Stimmzettel Zugewinne. Die Aktie des Healthcare-Konzerns Fresenius etwa notierte zu Handelsschluss am Mittwoch fünf Prozent höher als zu Handelsbeginn.

Um je fünf Prozent verteuerten sich auch die Anteilsscheine der Bayer AG und der Darmstädter Merck. Die Aktie des Dax-notierten, in den USA beheimateten Dialyse-Dienstleisters Fresenius Medical Care (FMC) verteuerte sich um knapp 3,5 Prozent.

Gleichzeitig befürchten viele Wirtschaftsverbände, dass eine Abschottung des US-Marktes auch hierzulande Folgen hätte (die "Ärzte Zeitung" berichtete in ihrer App). Nigel Duncan, Vorsitzender des Weltärztebundes, setzt hier auf Vernunft.

Cuncan weiter: "Wir glauben daran, dass sich Trump wie jeder US-Präsident seiner Verantwortung bewusst ist – für sein eigenes Volk, aber auch im globalen Kontext", sagte er der "Ärzte Zeitung". (Mitarbeit cp, cw)

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