Europawahl

Weber setzt auf Kampf gegen Krebs

Kurz vor der Europawahl präsentiert der designierte Kommissionspräsident Manfred Weber ein Konsensthema: Am Kampf gegen den Krebs soll die EU genesen.

Von Anno Fricke Veröffentlicht: 29.04.2019, 12:22 Uhr

BERLIN. Der Spitzenkandidat der europäischen Christdemokraten will bei den Wahlen am 26. Mai mit einem „Europäischen Masterplan gegen den Krebs“ punkten.

Am Freitag haben der Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP) für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten, Manfred Weber (CSU), und die Kinderonkologin Professor Angelika Eggert von der Charité dafür einen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt.

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht der Aufbau eines digitalen europäischen Krebszentrums auf der Grundlage einer sicheren Infrastruktur, Supercomputern und Cloud-Technologie.

Das Ziel: 40 Prozent der Neubildungen zu verhindern. In der Pädiatrie soll es sogar möglich werden, 90 Prozent der Patienten zu heilen. Die Chancen dafür sollen bis 2030 gegeben sein.

Im Kern geht es darum, die Möglichkeiten der Datengewinnung und -auswertung sowie der Telemedizin für Fortschritte im Kampf gegen Krebs zu nutzen. Prävention, Früherkennung und Vorsorge mit personalisierter Medizin sollen in Europa auf ein höheres Niveau gehoben werden.

Dazu sollen eine europäische Strategie zur Krebs-Früherkennung entwickelt, die onkologische Exzellenz in den EU-Staaten soll in einem Europäischen Partnerprogramm gebündelt werden.

Ein Teil der Programme – vor allem die Forschung – kann über die Cancer Mission Europe von der EU finanziert werden.

Professorin Angelika Eggert, Direktorin der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Onkologie und Hämatologie an der Charité; Mitverfasserin des Masterplans

Im Prinzip seien die nationalen Gesundheitssysteme in Europa in der Lage, die Vorschläge umzusetzen, sagte Eggert am Freitag der „Ärzte Zeitung“.

Bei der Digitalisierung der Gesundheitssysteme sei Europa jedoch nicht auf dem Niveau der USA. Die Systeme seien nach wie vor sehr heterogen und wiesen zudem ein West-Ost-Gefälle auf.

Die EU könne über das Programm „Cancer Mission Europe“ die Forschungsteile des Programmes finanzieren, so Eggert. In Deutschland könne die aus Steuermitteln bezahlte „Nationale Dekade gegen Krebs“ eingebunden werden, sagte Eggert.

Der EVP-Abgeordnete Dr. Peter Liese sagte am Wochenende der „Ärzte Zeitung“, für die Cancer Mission Europe ständen ab 2021 mindestens eine Milliarde Euro im EU-Haushalt zur Verfügung.

Immer mehr Unterarten von Krebs erforderten eine europaweite Nutzung von Daten, kommentierte Liese, selbst Arzt, den Vorstoß Webers.

Ein digitales europäisches Krebszentrum könne Ärzten und Patienten per Telemedizin „echten Mehrwert“ bieten. „Bei der Behandlung von Krebs sollte die Distanz zwischen Facharzt und Patient keine Rolle mehr spielen“, sagte Liese.

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